Und die FPÖ? Die braucht sich im Moment weniger um ihr Kernthema, die Zuwanderung, zu kümmern. Das Thema "Fortsetzung des strengen Kurses gegenüber Flüchtlingen", das bei Weitem nicht mehr den Stellenwert wie 2017 hat, ist für das Team um Obmann Norbert Hofer neben den Justizermittlungen wegen des Ibiza-Videos und der Postenbesetzung bei den Casinos Austria untergegangen. Bei jetzigen Hype um Klimaschutzfragen tut sich die FPÖ schwer..

Hofer setzt im Gegensatz zu den anderen fünf Parlamentsparteien auf ein blaues Triumvirat: auf die beiden Generalsekretäre Christian Hafenecker und den langgedienten "Mann fürs Grobe", Harald Vilimsky, für die inhaltlichen Fragen. Dazu kommt als Dritter Bundesgeschäftsführer Joachim Stampfer.

Heute, Freitag, wird die FPÖ ihr erstes Plakat vorstellen. Auf diesem wird neben Hofer Ex-Innenminister Herbert Kickl zu sehen sein. Dieser hat mit seinen scharfen Angriffen auf den abgesprungenen Regierungspartner ÖVP schon bisher die Rolle des Scharfmachers eingenommen.

Ibiza rüttelt Strategien durch

Skandale wie die Ibiza-Affäre um Ex-FPÖ-Chef Strache, bei der die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt, sind generell zu massiv, um vom eigenen Thema, bei der FPÖ klassischerweise Zuwanderung, ablenken zu können.

Aber auch hier gibt es Strategien aus der Krisenkommunikation, die wie die vergleichsweise recht stabilen FPÖ-Werte von rund 20 Prozent zeigen, erfolgreich sein können. "Ibiza ist zwar ein Supergau, der FPÖ ist es aber offensichtlich bislang gelungen, sich als Opfer zu präsentieren", eine Strategie, die die Partei auch bei vergangenen Problemen erfolgreich umgesetzt hat. Das Dilemma für andere Parteien dabei sei nun, dass "man mit Hinweisen auf die Ibiza-FPÖ genau dieser Strategie nur noch mehr Futter gibt", meint Füricht-Fiegl.

Die Liste Jetzt unterscheidet sich in einem klar: eine Regierungsbeteiligung wird nicht angestrebt, sondern die Oppositionsrolle. "Österreich braucht eine ganz starke Opposition", betont Herta Emmer, Wahlkampfmanagerin der Liste Jetzt, die 2017 auf Anhieb mit Listengründer Peter Pilz den Sprung ins Hohe Haus geschafft hat. "Kontrolle" lautet die Parole. Es brauche eine Oppositionspartei, die den Mut habe, Themen wie die Ibiza-Affäre aufzuzeigen und gegen das "System Kurz" vorzugehen, sagt sie.

Die Umfragen sind bezüglich eines Wiedereinzugs in den Nationalrat wenig verheißungsvoll, zu sehr standen seit dem Herbst 2017 interne Personalfragen im Vordergrund. Wahlkampferfahrung hat sie bei den Grünen im Burgenland bis 2007 gesammelt. Geld fehlt. Deswegen wird wieder auf Plakate verzichtet, man setzt auf das eigene Online-Medium.

SPÖ-Wahlkampfleiter Deutsch sieht Ibiza anders: "Wir bezeichnen die vergangene Regierung als Ibiza-Koalition, weil sich Kurz den Vorwurf machen lassen muss, sich diesen Partner geholt zu haben." Dass sie diese Koalition fortsetzen wollen, hält Deutsch für gefährlich. Außerdem zeigten seine internen Umfragen seit Juli einen Trendwechsel, "mit der ÖVP geht es seither bergab, mit der SPÖ bergauf".