Themen wie Frauenpolitik, Umweltschutz, Fairness oder Bildung seien Frauen wichtiger als Männern, stellt Siegl fest. "Die aggressive und extreme Sprache schreckt Frauen prinzipiell eher ab, das war und ist eher etwas, was Männer anzieht."

Rechts wählen wird auch
für Frauen attraktiver

Die Tendenzen, dass Frauen eher einer Partei im linken Spektrum ihre Stimme geben und Männer einer im rechten, war aber auch schon einmal deutlicher. Zwar zeigt sich bei den Neos noch, dass "Männer nach wie vor auf wirtschaftlichen Erfolg und Geld fokussiert sind", sagt Siegel. Neu ist aber, dass der Unterschied, was die FPÖ anbelangt, bei den vergangenen Nationalratswahlen deutlicher als in dieser Sonntagsfrage war. Die Sora-Wahlanalyse von 2017 zeigt jedenfalls bei Männern einen 29-prozentigen FPÖ-Anteil, bei den Frauen 22 Prozent - also sieben Prozentpunkte Unterschied - in der Sonntagsfrage sind es aber nur drei Prozentpunkte.

Das kann eine Momentaufnahme sein, sie ist jedenfalls nicht in Form tatsächlichen Wahlverhaltens in Stein gemeißelt. Judith Götz, Politikwissenschafterin, die sich unter anderem als Dozentin an der Universität Wien mit Frauen, rechtskonservativen und rechtsextremen Parteien auseinandersetzt, sieht einen Grund dafür, dass mehr Frauen die FPÖ wählen wollen, in der "demokratischen Legitimierung der Partei bei Wahlen. Das heißt zwar noch lange nicht, dass sie demokratischer als früher ist, aber die Partei scheint auch für Frauen wählbarer zu werden."

Frauenpolitisches dient
der FPÖ als Türöffner

Es gibt aber auch inhaltliche Gründe: Die Geschlechterpolitik war und ist zwar nie Hauptmotiv eine Partei zu wählen, auch nicht bei der FPÖ, sagt Götz: "Da geht es eher um Macht-, Privilegien- und Statuserhalt, Österreich zuerst - auch bei Frauen."

Die Behauptung der FPÖ, Frauen zu schützen, habe ihr als "Türöffner gedient, um in den Mainstream zu gelangen". Bereits seit den 90er Jahren instrumentalisierte die FPÖ Migrantinnen als von ihrer eigenen Kultur bedroht - Tradition als Instrument "vor allem, um antimuslimischen Rassismus zu untermauern", stellt die Politikwissenschafterin auch fest.

Der Nebeneffekt: "Wenn man gegen Zwangsverheiratungen oder ein Zwangskopftuch eintritt, wird kaum jemand etwas dagegen haben." Die sexuellen Übergriffe einer Gruppe von Migranten in der Silvesternacht 2015/16 in Köln nützte die FPÖ genauso wie Gewalt durch Migranten oder Flüchtlinge an Frauen hierzulande, um sich als Schutzpartei weißer Österreicherinnen gegen alle Männer anderer Herkunft und Hautfarbe zu präsentieren.

Das hat einen Mehrfachnutzen für die Partei: "Man bietet zwar rassistische, aber scheinbar einfache Lösungen gegen Gewalt an Frauen an." Das kommt an, auch bei den davon möglicherweise Betroffenen. Außerdem werden legitime Ängste und Schutzbedürfnisse vor Gewalt im öffentlichen Raum auf eine Gruppe Fremder externalisiert. "Jeder Onkel, Ehemann, Arbeitskollege wird damit entlastet, auch ein Gewalttäter sein zu können. Die Bedrohung kommt von außen", sagt Götz.