Die Skepsis gegenüber der direkten Demokratie sei kein Misstrauen gegenüber dem Volk, sagt Ehs. In vielen repräsentativen europäischen Demokratien seien nach dem Zweiten Weltkrieg eine Reihe von Institutionen als Vorsichtsmaßnahme vor letztgültigen Entscheidungen eingerichtet worden, "immer mit der Möglichkeit zu revidieren".

"Dort beginnen, was ich
jeden Tag erlebbar habe"

Der Politikwissenschafterin Ehs fehlt eine breitere Diskussion darüber, wie man die Politik zwischen den Wahlen erreichen könne. Über viele Möglichkeiten, die es jetzt schon gibt, wüssten die Bürger viel zu wenig. Etwa, dass sie mit 500 Unterschriften eine Bürgerinitiative an das Parlament oder eine Petition an den Wiener Landtag richten können. In Oberösterreich wurden 2015 per Gesetz die Hürden für eine Volksbefragung auf Gemeinde- und Landesebene drastisch gesenkt. Vier statt acht Prozent der Oberösterreicher können eine solche erwirken. In den Kommunen entscheidet die Einwohnerstärke über den Prozentsatz. Diese Ebene werde generell zu wenig betrachtet, so Ehs. Dabei sollte man dort beginnen, "was ich jeden Tag erlebbar habe". Das könne man auf Bundesebene dann ausbauen.

Einen anderen Weg geht das Land Vorarlberg mit Bürgerräten, die von den Bürgern mit nur 1000 Unterschriften selbst initiiert werden können. 2015 sei versucht worden, an einem Wochenende Asylfragen in einer Diskussion zu klären. Heute sehe man, dass die Vorarlberger eine "weniger populistische und von Angst behaftete Position" einnehmen würden.