Die Sozialversicherungen erwarten zwar nicht, dass die Hälfte der Vertragsärzte in den kommenden fünf Jahren in Pension gehen werden, nach ihren Berechnungen erreichen aber 42 Prozent das Pensionsalter. Allerdings habe es schon bisher insgesamt rund 1100 Kassenärzte gegeben, bei denen Ärztinnen mit 60 bis 69 Jahren und Ärzte mit 65 bis 69 Jahren noch tätig gewesen seien. Es sei daher nicht anzunehmen, dass künftig alle, die das Pensionsalter erreichen, in den Ruhestand gehen werden.

Problemfeld Abwanderung

Kopfzerbrechen bereitet Österreich die stete Abwanderung von Ärzten - vor allem die Schweiz und Deutschland sind beliebte Länder. Es bestehe "die große Gefahr", dass wie in der Vergangenheit bis zu 40 Prozent der Medizin-Absolventen nach dem Studium ins Ausland abwandern, warnt Czypionka.

Dadurch, dass die Sprache keine Barriere für die Abwanderung darstelle, "ist es attraktiv, dorthin zu gehen". Deutschland sei nicht in allen Bereichen attraktiver. In den deutschen Spitälern sei aber die Ausbildung für Turnusärzte besser. Zudem sei dort die teure Ärzteausbildung Angelegenheit der Bundesländer "Es gibt zu wenig Leute, weil jedes Bundesland zu wenige ausbildet", so der Befund des IHS-Experten. "Deswegen ist Deutschland ein bisschen ein Magnet geworden."

Ein Teil der Abwanderer sind freilich Heimkehrer, also Deutsche, die in Österreich Medizin studiert haben. Denn in Humanmedizin sind gemäß Quotenregelung 75 Prozent der Studienplätze für österreichische Kandidaten vorbehalten. Aber 20 Prozent der Plätze gehen an Bewerber aus dem EU-Ausland und fünf Prozent der Plätze an Bewerber aus Drittstaaten außerhalb der EU. Das ist ein Grund, warum der Ottnanger Bürgermeister den Vorschlag bevorzugt, dass Studenten aus dem Ausland verpflichtet werden, eine gewisse Zeit in einer Kassenpraxis in Österreich arbeiten - oder etwas von den Ausbildungskosten zurückzahlen. Vorausgesetzt, das ist rechtlich möglich.