Können Sie für eine eventuelle Spaltung einen Zeithorizont geben?

Vor der Wahl versucht man, Geschlossenheit zu demonstrieren. Das Problem kann auftauchen, wenn nach der Wahl ein Preis gefordert wird. Nehmen wir an, die ÖVP sagt, mit einer Hofer-FPÖ können wir, aber nicht mit einer Kickl-FPÖ.

Das ist ja schon gesagt worden. Was passiert dann?

Es gibt die Möglichkeit, dass man Kickl innerparteilich oder mit der Klubobmannschaft belohnen kann. Aber es kann sein, wenn das nicht geschickt gemacht wird, dass sich der harte Kern, die Basis der FPÖ, von der ÖVP übervorteilt fühlt und es zur Spaltung kommt. Das ist die klassische Spaltung zwischen Mitte-rechts-Wählern und dem harten Kern der FPÖ. Es kann sein, dass diese Spaltung stärker wird und sich an dieser Doppelspitze entzündet. Das sehe ich als mittel- oder langfristige Gefahr für die FPÖ. Das hängt davon ab, wie die Wahl ausgeht, ob die FPÖ in eine Regierung geht oder nicht und wer sich dabei als Verlierer sieht.

Was ist, wenn sich die FPÖ-Basis als Verlierer sieht?

Wenn die Basis glaubt, ihre Inhalte werden links liegen gelassen, dann hat die FPÖ ein Problem. Denn Kickl ist der Garant dafür, dass die FPÖ wichtige Ministerien besetzt und dort eine Politik verfolgt, die für die Basis wichtig ist. Die Lösung dieses Problems werden wir nach der Wahl sehen, nicht am Parteitag. Da wäre die FPÖ ganz schlecht beraten.

Hofer hat für seine Obmannschaft eine Zäsur in der FPÖ angekündigt. Ist diese mit Kickl überhaupt möglich?

Hofer muss sich einmal als Parteichef bestätigen. Immer wenn es so aussehen würde, als wäre Hofer nur ein Parteichef von Kickls Gnaden oder ein interimistischer Parteichef, wäre das ein Zeichen von Schwäche. Hofer muss zum Ausdruck bringen, dass er die eindeutige Führungsperson ist und sich innerparteilich durchsetzen kann. Das ist notwendig für Verhandlungen. Das ist notwendig, um mit diesen sogenannten "Einzelfällen" umzugehen, wo jemand ausgeschlossen wird oder öffentlich gerügt wird.

Hofer war bereits um Distanzierung vom ganz rechten Rand, von den rechtsextremen Identitären bemüht. Bei Anlassfällen wie zuletzt bei Ursula Stenzel hat er aber nachgegeben. Ist das glaubwürdig?

Deswegen meine ich ja, dass das auf längere Sicht einen permanenten Spaltpilz darstellen kann. Hofer hofft, dass er durch einen guten Wahlerfolg legitimiert wird, er dadurch innerparteiliches Gewicht hat und aufgrund dieses Gewichtes der ÖVP ein Angebot legen kann, bei dem auch Kickl abgefunden wird und der harte Kern zufrieden sein wird.

Und wenn das schiefgeht?

Das liegt auch auf der Hand. Wenn die Partei nicht so gut abschneidet, wenn es zu keiner Koalition kommt und wenn die FPÖ in Opposition geht, wird die Frage sein: Ist Hofer der ideale Mann in der Opposition oder bräuchte es da nicht eine wesentlich angriffigere Person?