Könnte Hofer dann womöglich in relativ kurzer Zeit wieder abgelöst werden?

Das schließe ich nicht ganz aus. Allerdings ist Hofer ein wichtiger Sympathieträger. Auch den Radikaleren in der FPÖ ist bewusst, dass er bei der Bundespräsidentenwahl fast 50 Prozent der Stimmen hatte. Man wäre schlecht beraten, sich im Bösen zu trennen. Da wird man eine andere Strategie fahren, vielleicht für die nächste Präsidentschaftswahl. Die Parteispitze ist professionell genug, dass man weiß, man kann nicht auf einen offenen Konflikt hinsteuern. Das ist anders als in der Haider-Zeit, als die persönlichen Befindlichkeiten permanent durchschlugen. Nur glaube ich nicht, wenn Hofer am Parteitag bestätigt wird, dass er automatisch für die nächsten Jahre fraglos Parteiführer sein wird. Das wird wahrscheinlich erst im Zuge der Wahl und in der Zeit nach der Wahl entschieden. Da muss sich die FPÖ neu aufstellen als Oppositionskraft oder als Regierungskraft. Dazu braucht es ein gewisses Personal und da muss der jeweils andere Parteiflügel abgefunden werden.

Hofer spricht die Mitte an. Wird es einen Bruch mit dem rechtspopulistischen FPÖ-Kurs geben?

Das Programm selbst ist Mitte-rechts. Das Problem sind die vielen Funktionäre, die immer wieder auffallen durch das Anstreifen am rechtsextremen Rand. Auch wenn sich Hofer bemüht, das wird es nach wie vor geben. Das wird eine permanente Belastung für das Verhältnis Hofer-Kickl und für eine etwaige Koalition.

Gibt es noch einen liberalen Flügel in der FPÖ?

Kaum. Es gibt Wirtschaftstreibende in der FPÖ, die nicht bei der ÖVP sind und für die die Neos zu links sind. Mit dem BZÖ erfolgte der Abzug der letzten Wirtschaftsliberalen. Einige mögen seither zur FPÖ zurückgekehrt sein, doch als wirklich bedeutsam nehme ich sie nicht wahr.

Rot-Blau in den Achtziger Jahren ist ebenso vorzeitig gescheitert wie in den 2000er Jahren ÖVP-FPÖ-Koalitionen. Ist die FPÖ einfach die Protestpartei und als Regierungspartei ungeeignet?

Ich habe schon 2004 in einem Beitrag versucht nachzuweisen, dass die FPÖ strukturell eine Oppositions- und keine Regierungspartei ist. Ich würde nach wie vor sagen, jedes Mal angetreten, jedes Mal gescheitert. Ich sehe nicht, dass es anders ist.

Warum?

Eine rechtspopulistische Partei, die das System massiv verändern möchte, eckt viel mehr an. Gleichzeitig ist das Personal, das in der Opposition gut und schrill ist, nicht unbedingt jenes, das Regierungserfahrung mitbringt, das Expertise hat und das Kompromisse schließen kann. Wenn ich diese Funktionäre in der Opposition rekrutiere, darf ich mich nicht wundern, wenn sie in der Regierung Kontroversen auslösen. Dieser Konfliktstoff ist auf Dauer destabilisierend.