Ein Bild vom einstmaligen Innenminister Herbert Kickl. Er blickt traurig Richtung Boden. "Der Moment, an dem du realisierst, dass du nicht eingeladen wurdest, um mit den Jungs in Ibiza Party zu machen", ist rund um das Bild zu lesen. Oder Pepe der Frosch. Ein Frosch mit menschlichen Zügen. Einst unpolitisch, wird er mittlerweile von Rechtsextremisten und Neonazis als Meme genutzt, um zu mobilisieren.

Es sind Beispiele von Memes: Bilder, die durch Textelemente in neue, oft lustige Kontexte gerückt werden. Bilder, die in digitalen Umgebungen mittlerweile alltäglich sind. Und Bilder, die aufgrund ihrer Zugänglichkeit von verschiedensten politischen Lagern verwendet werden.

Humor als eine Art Schutzschild

Zum Beispiel von Caren Miesenberger. Sie nutzt Memes, um sich politisch, allen voran feministisch auszudrücken. Für die Berlinerin begann das Erstellen von Memes mit sexistischen Hasskommentaren, die sie auf einen ihrer Artikel erhielt. Ihre Reaktion: Memes produzieren und teilen. Und wenige Jahre später die Feminist Meme School gründen. "Memes sind eine herrschaftskritische Ausdrucksform", sagt Miesenberger. Als Journalistin weiß sie, wie schwierig es ist, Raum zu erhalten, um die persönliche Meinung zu artikulieren, und mehr noch, diese zu veröffentlichen.

Diesen für viele nicht nutzbaren Raum will sie im Zuge der Wienwoche den Teilnehmenden der Feminist Meme School eröffnen: In einer Art Meme-Redaktion setzen sich die temporären Redakteurinnen mit ihren Diskriminierungserfahrungen auseinander, transformieren ihre negativen Erlebnisse in einen politischen Kommentar. Das Ziel: Strukturelle Ungleichheiten hinter den Einzelerfahrungen aufdecken. Aus einem Unwohlsein doch noch irgendwie Kraft schöpfen. Humor als eine Art Schutzschild also. So bezeichnet die Journalistin und Publizistin Ingrid Brodnig eines der Potenziale, die dem Humor inne liegen: "Humor ist ein Schutzmittel, um Gehässigkeiten oder Erniedrigungen an sich abprallen zu lassen. Mit Humor zeige ich: Du würdest mich gerne fertigmachen, aber so leicht schaffst du das nicht."

Gleichzeitig zeigt Humor Absurditäten auf und wirkt entlarvend. Dies gilt vor allem für politische Prozesse, die sich oft leichter mit Humor als mit Nachrichten vermitteln lassen. Komplexe und nicht nahbare Ereignisse können auf das Wesentliche zusammengefasst und der Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten werden.

Insbesondere Memes machen ernste und konfliktgeladene Kontexte wie die österreichische Innenpolitik nicht nur erträglicher, sondern zugänglicher, so Brodnig: "Indem man mit diesen leicht verständlichen Bildern ein Thema präsenter macht, liefert man zusätzlichen Gesprächsstoff und hackt die politische Debatte."