Ein Thema, das auch gesundheitspolitisch relevant ist, war das Rauchverbot, das wieder zurückgenommen und nun im Parlament doch wieder in Kraft gesetzt wurde. Von Ihnen habe ich dazu keine Reden im Nationalrat gefunden. Warum?

Mir ist natürlich als Ärztin jeder Nichtraucher willkommen. Aber wir sind halt eine Partei, die die persönliche Entscheidungsfreiheit hochhält. Und wenn jemand die Entscheidung trifft, zu rauchen, dann darf er auch rauchen. Aber jetzt ist das Thema eh erledigt.

Ist das so ein Beispiel, bei dem man die eigene Sichtweise im Klub nicht durchbringt, weil andere Interessen wichtiger sind für die jeweilige Partei?

Daher habe ich mich dieses Themas nicht so angenommen. Es ist halt von anderen Berufsgruppen, gerade vom wirtschaftlichen Teil, übernommen worden.

Wie haben Sie die Tage des Ibiza-Videos mitbekommen?

Mich hat es wirklich betroffen gemacht. Es war für mich das zweite Mal, dass eine Regierung zerbricht, als ich Parlamentarierin einer Regierungspartei war. Ich bin vom Landtag in den Nationalrat gewechselt, gerade weil wir in die Regierung gekommen sind. Ich wollte da mitarbeiten. Und was mich auch betroffen gemacht hat, war die Rolle von Sebastian Kurz. Es war klar, dass wir weiterarbeiten können, wenn Strache und Gudenus die Konsequenzen ziehen. Und die haben auch gezogen werden müssen, keine Frage. Aber dann ist dieser Griff nach dem Innenministerium gekommen. Nur deshalb ist alles beendet worden. Und wer weiß, ob es noch einmal weitergehen wird. Wenn nicht, würde mir das leidtun.

Aber Ibiza war eine Zäsur, bei der Außenstehenden eigentlich klar war, dass es so oder so nicht mehr geht. Und es war die dritte Koalition mit FPÖ-Beteiligung, die zerbrochen ist. Gibt’s keine Enttäuschung über die eigene Partei?

Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen der ÖVP und uns. Wir sind eine vielfältige Partei mit vielen verschiedenen Zugängen. Bei uns zählen Redefreiheit und Gedankenfreiheit. Da gibt es halt immer wieder jemanden, der irgendwas sagt. Die ÖVP ist dagegen eine konforme, starr im Korsett steckende Partei, in der alles durchgeplant ist, während es bei uns verschiedene Flügel, Meinungen und viel Redefreiheit gibt.

Aber geht die Redefreiheit manchmal zu weit? Stichwort Identitäre. Sogar Ihr Chef in Oberösterreich, Manfred Haimbuchner, wollte sich schon einmal wörtlich vom "Narrensaum" trennen.

Ich schätze Haimbuchner sehr und bin ganz auf seiner Linie. Aber die Identitären sind nicht wirklich mein Thema.

Aber Sie müssen sich notgedrungen mit ihnen beschäftigen.

Sie bewegen sich auf staatsrechtlich korrektem Boden. Es wird geprüft, ob man sie über das Vereinsgesetz verbieten lassen kann. Aber es muss einen Grund dafür geben. Das ist noch nicht geklärt.