Der Parteichef ließ sich auf einen Deal ein. Strache verzichtet auf sein Mandat, die Partei gibt seiner Frau Philippa Strache den aussichtsreichen dritten Platz auf der Landesliste der FPÖ in Wien. Seither wirbt Strache für seine Frau. Auf Werbe-Sujets posiert er verschwommen hinter ihr. Die Botschaft ist klar: Strache hat weiterhin das Sagen. Seine Frau ist lediglich Marionette. Strache schwebt als Geist hinter der FPÖ. Die Straches sind Hofer ein Dorn im Auge. Nach langem Ringen entzog die Bundespartei Strache die Hoheit über seine Facebook-Seite. Mit rund 800.000 Fans ist sie das reichweitenstärkste Organ der FPÖ.

"Hofer muss aufpassen, dass er die mächtige Landesgruppe nicht verärgert", sagt Filzmaier. "In Wien hat Strache seine Anhängerschaft." Außerhalb - aber auch innerhalb der Partei. Wie sehr die Landespartei zu ihrem einstigen Chef hält, zeigt die Tatsache, dass Strache noch immer in deren Räumlichkeiten residiert. Bereitwillig gab man dem einstigen Vizekanzler ein Büro.

An seine Kandidatur bei der Wien-Wahl 2020 zweifelt ohnehin kaum noch jemand, spätestens seit Strache Mitte August in der "ZiB 2" lauthals verkündete, "so rasch wie möglich politisch zurückzukommen und vielleicht in Wien ein Comeback zu starten." Hofer muss sich also weiter im Seiltanzen üben. Strache bedeutet für ihn Freud und Leid. Er ist ihm Freund und Feind. Denn ohne Strache und Gudenus (der zweite Herr auf dem Urlaubsvideo aus Ibiza) steht die Wiener FPÖ ohne ernstzunehmenden Spitzenkandidaten da. "Strache ist eine Unguided Missile und gleichzeitig gibt es keine taugliche Personalalternative", sagt Filzmaier. Und den neuen Chef der Wiener FPÖ, Dominik Nepp, kennt kaum jemand.

Einen Vorgeschmack, was den Freiheitlichen in Wien ohne Strache blüht, gab es bei der Europawahl zwei Wochen nach Ibiza. Auch wenn der große Kollaps ausblieb, fuhr die FPÖ hier mit 14,1 Prozentpunkten eines der schwächsten Ergebnisse aller Bundesländer ein. Die Freiheitlichen landeten gar nur auf dem vierten Platz hinter den Grünen. Sogar die blaue Hochburg Simmering fiel. Viele blau-affine Wähler fanden an Ludwigs Law-and-Order-Kurs gefallen oder wechselten zur inhaltlich ohnehin ähnlichen ÖVP.

Ein Ruck geht durch die ÖVP

Die heimste bei der Europawahl einen beachtlichen Wien-Erfolg ein. Mit 21,7 Prozentpunkten lag sie weit vor ihrem Ergebnis von der Wien-Wahl 2015 (9,24 Prozent). Kurz und ÖVP-Wien Chef Gernot Blümels restriktive Ausländerpolitik kam auch in den Flächenbezirken gut an. In Simmering legte die Volkspartei sogar um 7,5 Prozentpunkte zu. Im Vergleich zur Europawahl 2015 verzeichnete die ÖVP in Wien ein Plus von rund fünf Prozent. Klingt nach viel, ist aber weit unter den massiven bundesweiten Zugewinnen. Wien ist und bleibt ein schwieriges Pflaster für die ÖVP. Und die Wiener ÖVP für Kurz.

Mit Blümel hat er zwar einen absoluten Vertrauensmann in Wien sitzen, doch in der Bundeshauptstadt tickt auch die Volkspartei anders. Hier haben nicht Bauern- oder Seniorenbund das sagen - hier regiert der Wiener Wirtschaftsbund. Er ist die mächtigste Teilorganisation der Wiener ÖVP. Er vertritt die Interessen 10.000 zahlender Unternehmer. Er hat die absolute Mehrheit in der Wirtschaftskammer. Er finanziert die Partei. Er zieht im Hintergrund die Strippen. Und er hat Walter Ruck als Obmann.