Ruck gehört zur alten Garde der ÖVP. Er ist kein Türkiser. Er ist ein Schwarzer, mit freundschaftlichen Verbindungen ins rot-grüne Rathaus. Und das lässt er Kurz, Blümel und Co. auch spüren. So sprach er sich für einen verpflichtenden Abbiegeassistenten für Lkw aus - gegen die Linie von Partei und Wirtschaftskammer Österreich. Auch die Abschiebung von Lehrlingen unter der türkis-blauen Regierung bezeichnete Ruck als "schweren Fehler". Und Blümel richtet er über die Medien schon mal aus, sich doch endlich zwischen Ministeramt und Parteivorsitz in Wien zu entscheiden. "Ruck hat sich die türkis-blaue Bundesregierung und seine eigene Mutterpartei zum Gegner erkoren", sagt Filzmaier.

Den ewigen Streit zwischen Blümel und Ludwig im Duell Bund gegen Stadt scheint Ruck nahezu zu konterkarieren. Denn zu Ludwig pflegt Ruck ein ausgezeichnetes Verhältnis. Die alte sozialpartnerschaftliche Männerfreundschaft. Sie lernten sich als Bauunternehmer und Wohnbaustadtrat kennen. Als Wirtschaftsbund-Präsident und Bürgermeister passt kein Blatt mehr zwischen die beiden. Ruck und Ludwig beim Fußball-Benefiz-Tournier. Ruck und Ludwig beim Kaffeetrinken im Schanigarten. Ruck und Ludwig in der Fahrradwerkstatt. Ruck und Ludwig in der Schmiede. Ruck und Ludwig lachend beim Heurigen. Das Netz ist voll von Fotos der beiden. Ein gemeinsames Foto von Ruck und Blümel scheint hingegen nicht zu existieren.

Es ist kein Geheimnis, dass Ruck gerne Christoph Leitl als Präsident der Wirtschaftskammer Österreich beerbt hätte. Doch diesen Posten schnappte ihm Harald Mahrer - ein enger Vertrauter von Kurz - weg. Spitzt er nun auf einen Sessel im Wiener Rathaus? Hat seine Nähe zu Ludwig System? Will die ÖVP in Wien nach der Wien-Wahl im kommenden Jahr mitregieren, schadet es nicht, sich mit der SPÖ gut zu stellen. Denn sollte sich Türkis-Blau nicht ausgehen und die Neos für eine Dreier-Koalition nicht zu haben sein, bleibt nur noch die Option Rot-Türkis. Die ÖVP könnte sich also durchaus als Koalitionspartner für die SPÖ anbieten. Mit Ruck als deren Chef sicher dringlicher als mit Blümel.

Für die Grünen geht es um alles. - © Winterer
Für die Grünen geht es um alles. - © Winterer

Dagegen stemmen sich selbstverständlich die Wiener Grünen und ihre neue Chefin Birgit Hebein. Sie wollen auch nach 2020 in Wien weiter mitregieren. Doch vor der Wien-Wahl müssen die Grünen noch einen Nationalratswahlkampf schlagen. Dabei geht es um nichts weniger als ihre Existenz als ernstzunehmende politische Kraft. Sie müssen zurück ins Parlament. Sie müssen den Roten die verlorenen Stimmen wieder abluchsen. Jetzt heißt es zusammenhalten. Die Kräfte bündeln. Das ist oft gar nicht so einfach. Ähnlich den Sozialdemokraten, sind die Grünen keine homogene Masse. "Je weiter im Westen, desto bürgerlicher die Grünen", sagt Filzmaier. In Tirol koalieren die Grünen mit der ÖVP. In Wien wäre das undenkbar.

Ideologie statt Pragmatismus

Das dürfte ihrem Chef Werner Kogler Kopfzerbrechen bereiten. Die wichtigste grüne Landespartei hat sich unter Hebein sichtlich gewandelt. Hebein gehört zum Links-außen-Flügel der ohnehin weit Links stehenden Wiener Grünen. Sie will die Landespartei ideologisch neu ausrichten. Regieren um jeden Preis will sie nicht. Der Pragmatismus, mit dem ihre Vorgängerin Maria Vassilakou das umstrittene Bauprojekt am Wiener Heumarkt gegen den Willen der Parteibasis durchpeitschte, ist Hebein fremd.