Wahlforscher wie Günther Ogris von Sora gehen davon aus, dass es für eine Linkspartei in Österreich ein Potenzial von jenseits der Vier-Prozent-Hürde gibt - "unter bestimmten Voraussetzungen", wie Ogris erklärt. Zentral seien eine durchorganisierte, professionelle Kampagne, klare wahlkampfstrategische Konzepte, und vor allem tragfähige Organisationen im Hintergrund.

Die Linken und ihr "Übersetzungsproblem"

Ogris sieht die Tatsache, dass beispielsweise die Kommunisten in Österreich nie eine nennenswert große Gewerkschaftsorganisation haben aufbauen können, als wesentlichen Mitgrund, wieso die Partei kaum Wahlerfolge erzielen konnte. Heute ist das Verhältnis von Wandel und KPÖ einerseits von Annäherungen und Bündnis-Überlegungen und andererseits von Konkurrenz und Misstrauen geprägt. Es sei diesmal nicht genug Zeit gewesen, ein Bündnis zu schmieden, betont etwa Wandel-Listenerster Mulla. Der Spitzenkandidat der KPÖ-Liste, der in Zürich geborene und in Innsbruck bei der "Alternativen Liste" aktive Ivo Hajnal, will ebenfalls eine Annäherung der Gruppen erkennen.

"In Vorarlberg sieht man schon, dass der Wandel wieder mit uns zusammengeht", sagt der Professor für Sprachwissenschaft. Die Vorarlberger wählen am 13. Oktober einen neuen Landtag. Wie erklärt er sich die Tatsache, dass die Linke es nicht schafft, mit vereinten Kräften eine Partei ins Parlament zu bringen? "Weil viele Botschaften von links, die auf einem theoretischen Fundament beruhen, nicht in eine zeitgemäße Form übersetzt werden." So sei beispielsweise die Klimafrage eigentlich eine soziale Frage. Die Bedingungen des Marktes hätten auch zu den Verwerfungen beim Klima geführt. Hajnal verweist auf die international gesehen fast überall "darbenden Linken", von der SPD in Deutschland bis nach Israel. "Wir haben es bisher nicht geschafft, international einheitlich aufzutreten, wir haben es nicht geschafft, zu übersetzen, wofür man steht" - das ewige Problem der KPÖ, die viele nach wie vor als Intellektuellen-Partei wahrnehmen. Auf der strukturellen Ebene, sagt Wahlforscher Ogris, stünden vor allem die "alten Eliten" der KPÖ einer nachhaltigen Veränderung im Wege. Ein tragfähiger, dauerhafter Zusammenschluss mit dem Ziel einer neuen Partei würde die Positionen dieser alteingesessenen Parteikader in Frage stellen.

Wie auch die Liste der Kommunisten setzt auch der Wandel stark auf das Thema Wohnen. Die Forderung, dass gesellschaftliche Grundversorgung in staatlicher Hand bleiben soll, deckt sich weitestgehend mit jener der Kommunisten in Bezug auf den kommunalen Wohnbau. Bemerkenswert ist der - ebenfalls utopisch anmutende - Zugang des Wandel, für ein Mehr an Demokratie den Bundesrat durch einen Bürgerrat zu ersetzen. Eine Forderung, die vage an das Konzept der Liste Gilt von Roland Düringer erinnert. Diese kandidiert übrigens in Tirol und Vorarlberg.

Ein wichtiges Ziel sowohl für den Wandel wie auch für die Liste der KPÖ ist das Überschreiten der Ein-Prozent-Hürde. Ab dann wird eine einmalige Parteienförderung bezahlt, was ein Weiterarbeiten ermöglicht.