Die erste Nationalratswahl fand 1920 statt, und schon damals dominierten die Farben Schwarz, Rot und Blau das Parlament. Das blieb auch bis 1986 weitgehend so, sieht man von kommunistischen Wahlerfolgen in den Nachkriegsjahren ab. Als Folge des Kraftwerk-Konflikts in Hainburg konstituierte sich die Grüne Bewegung auch als Partei. Später kamen auch die NEOS dazu, und die ehemals dominanten Großparteien ÖVP und SPÖ schrumpften zu Mittelparteien.

Die FPÖ trat in Gestalt ihrer Vorläufer-Partei, des WdU, erstmals bei der Nationalratswahl 1949 in Erscheinung. Damals waren um 940.000 Personen mehr wahlberechtigt als noch 1945: Bei rund der Hälfte handelte es sich um "minderbelastete", ehemalige NSDAP-Mitglieder, die 1945 von der Wahl ausgeschlossen, 1949 aber wieder wahlberechtigt waren.

Die Wahlerfolge der FPÖ hielten sich in Grenzen. Erst gegen Ende des Jahrhunderts erstarkten die Blauen in der Wählergunst. Die FPÖ schaffte unter Jörg Haider 1999 mit 26,91 Prozent ihr bestes Ergebnis. Die Grünen kamen 2013 auf 12,42 Prozent – und wurden 2017 für eine kurze Legislaturperiode von der Liste Jetzt abgelöst.

Die aktuellen Umfragen signalisieren, dass das nur ein Zwischenspiel war. Die Demoskopen sehen die ÖVP vor einem Wahlsieg, die Grünen wieder im Parlament und die SPÖ in einem Allzeit-Tief. Und die FPÖ wird trotz der Ibiza-Affäre, diverser rechtsextremer Einzelfälle, Postenschacher- und Korruptionsvorwürfen von ihren Wählern augenscheinlich nicht verlassen.