Die Elefantenrunde am Donnerstag vor der Wahl im ORF war viele Jahre lang der finale Höhepunkt der fernsehmedialen Wahlberichterstattung. Mittlerweile gibt es mehrere solcher Runden mit allen Spitzenkandidaten und -kandidatinnen, im Privat-TV, im Radio und auch organisiert von den Bundesländerzeitungen. Der Termin am Donnerstag (20.15 Uhr, ORF2) bleibt jedenfalls der Abschluss der mittlerweile sehr umfassenden TV-Präsenz. Ein letztes Mal werden sich die Spitzenkandidaten gegenübersitzen, danach können sie sich ein paar Tage Abstand von einander gönnen.

Vielleicht ist eine kurze Abkühlung nach einem solchen, mitunter ins Persönliche gehenden Wahlkampf notwendig. Denn nur wenige Tage nach der Wahl werden sich die Parteispitzen dann erneut gegenübersitzen, nicht alle gleichzeitig, aber hintereinander - abseits der Kameras.

Vor den Koalitionsverhandlungen wird es wohl auch diesmal Sondierungsgespräche geben, und es ist wahrscheinlich, dass sie weitaus länger dauern werden als nach vergangenen Wahlen. Denn die Lage ist verzwickt.

Aus purer Leidenschaft koaliert grundsätzlich keine Partei, Koalitionen sind eine (bisweilen mühselige) Notwendigkeit in Zeiten fehlender absoluter Mehrheiten. Das ist zwar logisch, sollte aber stets mitbedacht werden. Es geht nicht ums Wollen, sondern ums Müssen.

Bei der Frage, mit wem eine Zusammenarbeit am sinnvollsten ist, geht es nicht nur um die größtmögliche inhaltliche Schnittmenge. Dieser Aspekt ist sicher wichtig, und jede Partei hat hier auch, mehr oder weniger deutlich, rote Linien gezogen. Diese Linien sind erfahrungsgemäß zwar auch dehnbar, aber die Neos würden etwa keinem Pakt zustimmen, der nicht eine Bildungsreform beinhaltet, die ÖVP wird von ihrer strikten Linie in der Migrationsfrage nicht radikal abgehen und die Grünen in keine Regierung eintreten, die nicht die Klimawende verspricht.

Ein zweiter, entscheidender Aspekt ist die Höhe des Preises, den eine Partei für das Eingehen einer Koalition zu zahlen hat oder zahlen könnte. Diesen Preis beeinflussen mehrere Faktoren. Inhaltliche Überlegungen spielen auch hinein, aber nicht nur. Eine Koalition der SPÖ mit der FPÖ auf Bundesebene wird von einem relevanten Teil der Funktionäre und Anhänger ideologisch abgelehnt. Eine solche Verbindung könnte bis zu einer Parteispaltung gehen - weshalb der Preis für die SPÖ stets zu hoch war.

Ähnlich war es bei Sebastian Kurz und der SPÖ. Dass er 2017 nicht mit Christian Kern verhandelt hat, mag auch inhaltliche und persönliche Gründe gehabt haben. Doch es war auch eine Frage des Preises für die ÖVP. Über Monate, eigentlich Jahre, hatte sich Kurz als personifiziertes Gegenmodell zur großen Koalition positioniert. Seine Popularität stieg parallel mit dem Ärger vieler Wähler über die große Koalition.