Wäre Kurz nach der Wahl 2017 sofort erneut eine Koalition mit der SPÖ eingegangen, hätte das die Gefahr bedeutet, viele Wähler zu enttäuschen. Auch hier: ein hoher Preis, jedenfalls ein höherer als eine Koalition mit der FPÖ, die innerparteilich kaum Schwierigkeiten bedeutete. Das war 1999 unter Wolfgang Schüssel anders.

Klar ist, dass der Preis einer türkis-blauen Koalition für die ÖVP heute, zwei Jahre später, viel höher wäre, und vielleicht ist er mittlerweile zu hoch. In den ersten Wochen nach Ibiza war das noch nicht der Fall. Klar war nur, dass der Preis für die FPÖ steigen würde. Die ÖVP reklamierte das Innenministerium für sich und machte klar, dass der bei der FPÖ-Stammwählerschaft beliebte Herbert Kickl nicht Teil einer solchen Regierung wird sein dürfen. Doch sollte die FPÖ etliche Prozentpunkte verlieren, dann muss man eben einen höheren Preis für einen Regierungseintritt bezahlen. Und diesen Preis, so die Hoffnung der ÖVP, hätte die FPÖ wohl akzeptiert.

Doch nach Ursula Stenzels Auftritt bei den Identitären, Anzeigen wegen Postenschachers, mittlerweile vielfältigen Anschuldigungen gegen Heinz-Christian Strache sowie zweideutigen Geburtstagsgrüßen am Hitler-Geburtstag durch den niederösterreichischen FPÖ-Klubchef auf Facebook hat sich der Preis für Kurz für eine Neuauflage deutlich erhöht.

Undenkbare Varianten sind wieder im Spiel

Inhaltlich wäre diese Koalition am einfachsten hinzubekommen, es gibt ja auch bereits ein Regierungsprogramm. Doch das Inhaltliche ist eben nur ein Aspekt.

Das bringt Varianten ins Spiel, die vor Wochen noch undenkbar schienen: Türkis-Rot sowie die Dreiervariante mit Pink und Grün. Für Letztere spricht, dass alle diese Parteien gewinnen werden, es wäre also eine Koalition der Sieger. Dieses Regierungstrio bräuchte aber jedenfalls eine deutliche Mehrheit im Nationalrat, ein nur knapper Mandatsüberhang wäre fast schon ein Ausschlussgrund.

In Deutschland ist der Versuch zwischen CDU/CSU, Grünen und FDP an den Liberalen gescheitert, und das, obwohl Kanzlerin Angela Merkel auf einem liberaleren Kurs segelt als Kurz. Während der Verhandlungen wurde der Preis für die FDP damals zu hoch, sie stieg aus. In Österreich stehen bei einer solchen Variante eher die Grünen im Fokus.

In spätestens einem Jahr, vermutlich aber früher, wird in Wien gewählt. Eine Koalition im Bund mit ÖVP und Neos könnte für die Grünen eine echte Zerreißprobe sein. In Wien stehen die Grünen weit mehr links als in den Bundesländern. Wären die Grünen bereit, diesen Preis zu zahlen?

Auch eine türkis-rote Variante war vor Wochen kaum denkbar, zumal das Verhältnis dieser Parteien zerrüttet ist und sich die große Koalition in den Umfragen auch noch nicht erholt hat. Dazu kommt: Die SPÖ hat nur eine Option, die Umfragen bescheinigen ihr Verluste, und sie wäre erstmals seit 1966 Juniorpartner. Und das unter Kanzler Kurz, der seit zwei Jahren als Bösewicht aufgebaut wurde. Logisch, dass das kostet. Doch für die SPÖ gilt auch, dass es teuer wäre, nicht zu regieren. Das ist sonst nur bei der ÖVP der Fall.