Ibiza und die Folgen: Noch nie waren die Geldflüsse von Parteien derart zentrales Thema eines Wahlkampfes. Vieles von dem, was seit der Veröffentlichung des Videos passierte, harrt noch einer politischen, teils auch rechtlichen Aufklärung nach der Wahl - die Geschichte des Wahlkampfes im Schnelldurchlauf.

17. Mai - Die Ibiza-Affäre: Eine Finca im spanischen Ibiza, eine falsche russische Oligarchin, eine verhängnisvolle Falle: An jenem Freitag um 18 Uhr beginnt in Österreich eine politische Zäsur. Die "Süddeutsche Zeitung" und der "Spiegel" veröffentlichen jenes Video, in dem die damaligen FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus im Sommer 2017 über Staatsaufträge für eine vermeintliche russische Oligarchin gegen Parteispenden über parteinahe Vereine und von einer Übernahme der "Kronen Zeitung" fantasiert. Der Ibiza-Skandal sprengt die türkis-blaue Regierung bereits tags darauf. Strache tritt als Vizekanzler zurück. Der damalige Kanzler Sebastian Kurz ruft in den samstäglichen Abendstunden mit den Worten "Genug ist genug" Neuwahlen aus.

Kurz geht nach dem Misstrauensantrag. - © Apa/R. Jäger
Kurz geht nach dem Misstrauensantrag. - © Apa/R. Jäger

26. Mai - Eine bemerkenswerte Europawahl: Fast eine Woche nach Ausbruch der Ibiza-Affäre wird in Österreich das Europäische Parlament gewählt. Die Wahl ist in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert. Die beiden Regierungsparteien nehmen keinen wirklichen Schaden durch das Skandal-Video. Die ÖVP liegt weit voran und legt zu. Die Freiheitlichen verlieren nur wenig und erreichen fast ein Fünftel der Wähler. Strache bekommt trotz Ibiza-Video 45.000 Vorzugsstimmen bei der EU-Wahl, er nimmt das Parlaments-Mandat aber schlussendlich nicht an.

Auch eine Politikverdrossenheit ist nicht zu spüren: Die Wahlbeteiligung legt um mehr als 14 Prozentpunkte zu, fast 60 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher gehen zur Wahl.

27. Mai - Der Sturz von Sebastian Kurz: SPÖ, FPÖ und Jetzt bringen ein historisches Misstrauensvotum gegen Kurz im Parlament ein, das ihn samt seines kurz davor vorgestellten Übergangskabinetts stürzt.

30. Mai - Die erste Kanzlerin Österreichs: Bundespräsident Alexander Van der Bellen stellt die Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs Brigitte Bierlein als interimistische Kanzlerin vor. Vizekanzler und Justizminister wird der ehemalige Verwaltungsgerichtshof-Präsident Clemens Jabloner. Am 3. Juli wird die Übergangsregierung angelobt. Politische Zurückhaltung bis zur Übergabe an eine neue Regierung nach der Wahl, lautet die Devise des Kabinetts Bierlein.

12./13. Juni, 2. Juli - Das "freie Spiel der Kräfte": Vom Verbot von Plastiksackerln und Glyphosat über die Valorisierung des Pflegegelds und Geld für den Ausbau von Ganztagsschulen bis hin zur Einführung des Rauchverbots in der Gastronomie und einem Rechtsanspruch auf den Papamonat - im Parlament finden sich nun sehr unterschiedliche Mehrheiten unter den Parteien. Beim Wahltermin am 29. September ist man sich nach Querelen dann doch einig.