Sebastian Kurz hat mit der ÖVP einen Sieg bei der Nationalratswahl eingefahren. Die Volkspartei legte deutlich zu, während der vormalige Koalitionspartner FPÖ abstürzte. Grüne und NEOS feiern historische Erfolge, die SPÖ kam dagegen auf ihr schwächstes Resultat aller Zeiten.

Video: Rendi-Wagner will "Weg der Menschlichkeit weitergehen"

Bundespräsident Alexander gratulierte am Sonntagabend dem Wahlsieger, ÖVP-Chef Sebastian Kurz, gratuliert. Er werde in der nächsten Woche Gespräche mit allen künftig im Nationalrat vertretenen Parteien führen und danach den Spitzenkandidaten der stimmenstärksten Partei mit den Regierungsverhandlungen betrauen, sagte Van der Bellen in der Wiener Hofburg.

"Ich möchte mich bei allen Wählerinnen und Wählern bedanken. Danke, dass Sie von Ihrem Wahlrecht so zahlreich Gebrauch gemacht haben", richtete sich Van der Bellen direkt an die Österreicher. An die Politiker appellierte er, nun nach einer kurzen Abkühlphase, das Wohlergehen Österreichs vor Parteitaktik zu stellen.

Der Bundespräsident erinnerte daran, dass das Platzen des Ibizaskandals zu dieser Neuwahl geführt hatte. "Ich werde in den nächsten Tagen und Wochen sehr darauf schauen, dass dieses Vertrauen weiter aufgebaut wird", so Van der Bellen.

Drozda: SPÖ wird sich Gesprächen nicht verweigern

SP-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda betonte, dass sich seine Partei trotz der Niederlage mit nur noch rund 22 Prozent Gesprächen "sicher nicht verweigern" werde. Man könne mit dem eigenen Abschneiden nicht zufrieden sein, personelle Konsequenzen sind für den Vertrauensmann von Parteichefin Pamela Rendi-Wagner aber keine zu ziehen.

Rendi-Wagner will weiter machen

Rendi-Wagner will trotz der schweren Wahlniederlage weiter machen. "Heute ist eine Zwischenstation, der Weg geht weiter", sagte sie in einer ersten Reaktion im SPÖ-Festzelt in der Löwelstraße. "Es ist der Weg der Menschlichkeit, den wir gemeinsam weitergehen werden." Das Resultat, so Rendi-Wagner, sei "nicht das, was wir uns gewünscht haben und wofür wir in den letzten Wochen gekämpft haben": "So ehrlich muss man sein."

Bei den Anhängern im Festzelt bedankte sich die Spitzenkandidatin für die Unterstützung. "Ihr wart großartig", rief sie ins Publikum. Ein Danke richtete sie auch allen Wählerinnen und Wählern aus. Überzeugt zeigte sie sich, dass im Wahlkampf der SPÖ die richtigen Themen angesprochen wurden. "Es waren die richtigen Themen, es sind die richtigen Themen - und es werden die richtigen Themen sein", verwies Rendi-Wagner auf die Zukunft. "Ich freue mich, den Weg mit euch weiter zu gehen!", sagte sie bevor zum wiederholten Mal die Gute-Laune-Wahlkampfhymne "Gleich und verschieden" von Alf & DJ Mike erklang.

Jubel bei den Grünen

Jubel, Trubel und Heiterkeit herrschte wenig überraschend bei den Grünen, die zwei Jahre nach dem Abflug aus dem Nationalrat nun mit 13-14 Prozent wieder heimkehren. Wahlkampfleiter Thimo Fiesel sprach vom "größten Comeback der Zweiten Republik". Die NEOS legten zwar um zwei Punkte auf über sieben Prozent zu und schafften damit beim Erstantritt als Spitzenkandidatin von Beate Meinl-Reisinger das beste Ergebnis der Parteigeschichte. Für eine Koalition braucht man sie aber nicht mehr.

Trotzdem betonte Parteivize Nikolaus Scherak, dass es stabile Mehrheiten brauche und die NEOS bereit wären, Verantwortung zu übernehmen. Am Zug sei jetzt der Bundespräsident. Dieser hatte schon am Vormittag betont, er werde bei der Regierungsbildung keinen Zeitdruck machen.

Die ÖVP wollte zunächst nur jubeln und sich nicht auf Koalitionsspekulationen einlassen. Generalsekretär Karl Nehammer schwärmte über einen historischen Erfolg der Volkspartei und meinte: "Heute ist einmal der Tag von Sebastian Kurz und der Volkspartei."

Historisch ist auch der Tag für Peter Pilz. Der 65-Jährige, der 1986 mit der ersten Grünen-Generation ins Parlament gekommen war, flog mit seiner Liste JETZT hochkant aus dem Nationalrat. Auch KPÖ und Wandel scheiterten klar.

Vilimsky will Neustart für FPÖ

Video: Gedämpfte Stimmung bei der FPÖ

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky sieht die Zukunft der FPÖ angesichts des schwachen Wahlergebnisses in der Opposition. "Aus meiner Sicht ist das kein klarer Auftrag, die Koalition fortzusetzen", sagte Vilimsky im ORF. Dafür habe der Wähler die FPÖ zu wenig gestärkt. Auch der langjährige FP-Politiker Andreas Mölzer empfahl der Partei den Gang in die Opposition. Man müsse "neue Gesichter in verantwortungsvolle Rollen holen" , sagte er in seiner ersten Reaktion. Zudem müsse man nun eine "Wählerrückholaktion" starten, die sicher nicht wieder zehn Jahre dauern werde. Bei der kommenden Koalition sei ÖVP-Chef Sebastian Kurz am Zug.

"Es enttäuscht mich auf der einen Seite", kommentierte Vilimsky die Verluste für die Freiheitlichen. Allerdings zeige es auch, dass die "rot-weiß-rote Wählerburg uneinnehmbar" sei. Parteichef Norbert Hofer und der geschäftsführende Klubobmann Herbert Kickl hätten sich als Doppelspitze "hervorragend bewährt". Das voraussichtliche Wahlergebnis zeige aber auch, "dass wir einen Neustart machen müssen", so Vilimsky. Ebenso kommunikativ wie auch im Controlling der Partei. (apa)