Die FPÖ hat im Wahlkampf auf Hofer und Kickl als doppelten Rettungsanker gegen einen noch stärkeren Rückschlag gesetzt. Mit dem früheren Infrastrukturminister Hofer versuchte man, wie bei der Bundespräsidentenwahl 2016 bei einem bürgerlichen Wählerspektrum zu reüssieren. Für immerhin 50 Prozent war Hofer als Spitzenkandidat wichtig für die Wahlentscheidung, wie eine Befragung des Instituts von Peter Hajek für ATV zu den Wahlmotiven ergab. Das waren mehr als die 41 Prozent, die 2017 Strache nannten.

Kickl war als Garant für einen konsequent rechten Kurs im Einsatz. Die FPÖ hat auch bei dieser Wahl noch von einer strengen Linie in der Asyl- und Ausländerpolitik gelebt. Das dürfte die FPÖ vor einem noch dramatischeren Absturz bewahrt haben. Aber im Gegensatz zur Wahl 2017 war dieses Thema nicht zentral wie nach der Flüchtlingskrise 2015.

Die FPÖ sieht keinen Auftrag
für eine Regierungsbeteiligung

Beim dominierenden Klimaschutz war die FPÖ mit Warnungen vor einer "Klimahysterie" in der Defensive. Wenn von Österreich weitere Maßnahmen zum Erreichen der Pariser Klimaziele gefordert werden, wirkt etwa Hofers Festhalten an Tempo 140 auf Autobahnen kontraproduktiv.

Hofer will nun die Partei neu aufstellen. Das betrifft neben dem Aufräumen mit der Ära Strache eine inhaltliche Verbreiterung und Stärkung im urbanen Bereich. Das ist alles noch sehr vage. Zudem muss sich erst zeigen, ob und wie die im Wahlkampf gezeigte Einigkeit mit Kickl bei der Neuaufstellung funktioniert. Das gilt vor allem auch für den Fall einer künftigen Oppositionsrolle. Kickl meldete an, er würde gern Klubchef bleiben. Diese Rolle würde "ganz gut zu meinem Profil passen".

Das FPÖ-Hauptziel im Wahlkampf - eine Fortsetzung der zerbrochenen türkis-blauen Bundesregierung - wäre zwar rechnerisch als Koalitionsvariante noch möglich. Aber kein FPÖ-Landesparteichef wollte einen Auftrag zur Regierungsbildung sehen. Türkis-Blau sei "erledigt", hieß es.

Die FPÖ möchte lieber, wie Generalsekretär Harald Vilimsky erklärte, einen "Neustart" in der Opposition durchführen. Aus dieser Position soll dann eine "Wählerrückholaktion" erfolgen. Zuerst aber geht es einmal um interne Aufräumarbeiten.