Wien. Die historische Wahlschlappe der SPÖ bei der Nationalratswahl am Sonntag hat nun erste personelle Konsequenzen. Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda zieht sich zurück, sagte er am Montagvormittag vor Journalisten. "Ein Wahlergebnis wie gestern muss Konsequenzen haben", meinte Drozda. Er wolle mit diesem Schritt einen Reformprozess in Gang setzen.

Nimmt Mandat im Nationarat an

Der scheidende Bundesgeschäftsführer betonte, dass ihm gegenüber niemand Druck ausgeübt habe. Er habe Montagfrüh Parteichefin Pamela Rendi-Wagner über seinen Schritt informiert, und diese habe ihn bedauert. Sein Mandat im Nationalrat wird Drozda "selbstverständlich" annehmen. Auch Kultur- und Mediensprecher will er bleiben.

Schon am Sonntag hatte er eine für 20.30 Uhr angesagte Rede im Festzelt vor der Parteizentrale kurzerhand abgesagt.

Drozda möchte mit seinem Schritt einen Reformprozess in Gang setzen, sagt er.

Der SPÖ-Bundesgeschäftsführer war Drozda offenbar weniger gelegen als die Leitung der Vereinigten Bühnen, die kaumännische Geschäftsführung des Burgtheaters oder das Kanzleramtsministerium. In der Politik bleiben will der 54-Jährige trotzdem.

Drozdas Tage in der Partei galten als angezählt.

Schon vom Typus her war Drozda nicht unbedingt der idealtypische Generalsekretär einer Arbeiterpartei. Der luxusaffine Schöngeist mit besten Manieren wollte und konnte wohl auch nie in die Rolle des Kläffers hineinwachsen. Als weiteres Handicap erwies sich, dass er gerade dem parteiintern sehr beliebten Max Lercher folgen musste und nicht zuletzt der Misserfolg bei den einzigen Wahlen, die unter seiner gerade einmal einjährigen Geschäftsführung geschlagen wurden.

Drozdas Tage galten in der Partei schon seit längerem als angezählt. Spätestens mit der Bestellung von Christian Deutsch zum Wahlkampf-Manager war klar, dass dem Vertrauten von Rendi-Wagner die übrigen Parteigranden nicht mehr allzu viel zutrauten. Freilich: Oft wurde Drozda auch einiges Unrecht getan. Selbst Fehler der Vorsitzenden wurden zumindest im Hintergrund zuallererst immer dem Bundesgeschäftsführer zugerechnet.

Christian Kern hatte ihn ins Kanzleramt geholt

Politische und Manager-Erfahrung hätte er in seinen Job eigentlich ausreichend mitgebracht. Jung leitete der verheiratete Oberösterreicher einen Verlag der Sozialistischen Jugend, jobbte bei der Nationalbank und diente ab 1993 als wirtschafts- und kulturpolitischer Berater der SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky und Viktor Klima, bevor der studierte Betriebs- und Volkswirt 1998 für ein Jahrzehnt als kaufmännischer Geschäftsführer ins Burgtheater wechselte. Danach oblag ihm die Führung der Vereinigten Bühnen und damit jene über Theater an der Wien und Ronacher.

Der SPÖ blieb Drozda verbunden. Mehrere Jahre vertrat er die Sozialdemokraten im ORF-Stiftungsrat. Christian Kern holte ihn von den Vereinigten Bühnen an seine Seite ins Kanzleramt, wo er die Regierungsarbeit mit der ÖVP koordinierte und die Kulturagenden dazu bekam. In letzterem Bereich setzte er auch die ein oder andere aufsehenerregende Personalie, etwa bei der Neubesetzung des Kunsthistorischen Museums, bei der Direktorin Sabine Haag leer ausging und Eike Schmidt zum Zug kam, bei der Staatsoper, wo Bogdan Roscic Direktor Dominique Meyer ersetzte oder im Burgtheater, das dank ihm von Martin Kusej geleitet wird.

Kultur soll auch weiter sein Steckenpferd bleiben. Drozda nimmt sein Nationalratsmandat an und will als Kultur- und Mediensprecher im roten Parlamentsklub wirken. Freilich, sollte ein Offert aus dem Kulturmanagement kommen, würde es nicht wundern, wenn er endgültig die Politik hinter sich lässt. (apa)