Stetten. "Ein Dorf wie Österreich" übertitelte die "Wiener Zeitung" zwei Wochen vor der Nationalratswahl eine Geschichte über die Gemeinde Stetten bei Korneuburg. Denn bei den Nationalratswahlen im Jahr 2017 spiegelte das Wahlergebnis im 1361-Einwohner-Dorf Stetten ziemlich genau das österreichweite Ergebnis wider. Thomas Seifert, Bürgermeister von Stetten, tippte im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" auf einen Zufall. Auffällig war, dass schon im benachbarten Ort Bisamberg die Abweichung vom Gesamtergebnis damals mehr als 29 Prozentpunkte betrug. SPÖ und FPÖ erhielten dort viel weniger Stimmenanteile als im Bund, ÖVP und Neos deutlich mehr. In Stetten hatte der Bevölkerungszuzug aus Wien zu einer Melange aus Stadt- und Landbevölkerung beigetragen, die Stetten in puncto Wahlverhalten zu einem Miniatur-Modell für Österreich gemacht hat. Rund die Hälfte der berufstätigen Stettner arbeitet in Wien. "Zumindest aus einer Politik-Perspektive heraus betrachtet, verdichtet sich in Stetten im Bezirk Korneuburg das ganze Land", schrieb die "Wiener Zeitung".

Am Sonntag um 14 Uhr schloss in Stetten das Wahllokal im Gemeindeamt und das Auszählen begann. Die Gemeideräte zählten die Stimmen aus, die Amtsleiterin verfasste das Wahl-Protokoll. Am Ende brachte der Bürgermeister die Stimmzettel und das von allen unterschriebene Protokoll persönlich zur Bezirkswahlbehörde nach Korneuburg.

Nah am Österreich-Ergebnis

- © Thomas Seifert
© Thomas Seifert

Und auch dieses Mal lag das Wahlergebnis in Stetten recht nah an der gesamtösterreichischen Wählerverteilung: ÖVP 37,1 Prozent (verglichen mit 38,35 Prozent für Österreich), SPÖ 23,9 Prozent (21,54 Prozent), FPÖ 18,7 Prozent (17,25 Prozent), Neos 10 Prozent (7,36), Grüne 8,5 Prozent (12,35). Die Wahlbeteiligung war in Stetten freilich höher als im Bundesschnitt.

Die Stimmung im Stetten war in den Tagen und Wochen vor der Wahl ähnlich wie im Rest des Landes. Die Menschen waren zusehends ermüdet: zuerst von den ständigen Skandalen und dann im Wahlkampf vom endlosen medialen Polit-Trommelfeuer. Wordraps, TV-Duelle, Elefantenrunden samt Taferlparade.

- © Thomas Seifert
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Was den Stettnern am Herzen liegt, sind aber Alltagsprobleme, wie der stark verbesserungsbedürftige öffentliche Verkehr in der Region. Betreutes Wohnen und Altenpflege. Oder die fehlende Nahversorgung: Es gibt zwar einen Bauernladen, aber man braucht dennoch zum Einkaufen ein Auto, da das Sortiment des kleinen Geschäfts beschränkt ist.

Eine eingehende Diskussion dieser Sachthemen habe vielen Menschen in Stetten in diesem Wahlkampf gefehlt. "Die Bürgerinnen und Bürger sehen sich jetzt nach Stabilität, sie wollen, dass etwas weiter geht", berichtet Bürgermeister Seifert.