Wien. Nach der Nationalratswahl stehen Gewinner und Verlierer vor unterschiedlichen Herausforderungen. Die beiden Wahlsieger, die ÖVP mit Sebastian Kurz, die nunmehr mit Abstand stärkste Kraft ist, und die Grünen, die mit einem verdreifachten Ergebnis die Rückkehr ins Parlament schafften, haben trotz aller Differenzen im Wahlkampf Erwartungen für eine erste türkis-grüne Bundesregierung geweckt.

Trotzdem warten hohe Hürden. Zwar liebäugeln türkise Funktionäre mit den Grünen, es gibt abereine tiefe inhaltliche Kluft. Bei den Grünen wird eine Kehrtwende beim Kurs von ÖVP-Chef Kurz als Voraussetzung für eine Koalition gesehen. Ob, und in welchem Bereichen, Kurz dazu bereit ist, muss sich erst zeigen.

Kurz rechnet mit "zähen" Koalitionsverhandlungen

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Ein mögliches Zusammengehen mit den beiden Wahlverlierern SPÖ oder FPÖ stößt in der ÖVP auf wenig Gegenliebe, weil beide Parteien mit dem Aufarbeiten ihrer schweren Niederlagen beschäftigt sind. Kurz rechnet mit "zähen" Koalitionsverhandlungen, die länger dauern werden. Er wird voraussichtlich Anfang kommender Woche von Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit der Regierungsbildung beauftragt. Zuvor sind schon ab Mittwoch Gespräche Van der Bellens mit allen Parteichefs vorgesehen.

Bei der SPÖ führte das historisch schlechteste Wahlergebnis schon am Montag zu einem Nachbeben. Parteichefin Pamela Rendi-Wagner wollte weitermachen. Erste personelle Konsequenz war aber der Abgang von Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda. In der Partei steigt der Unmut. Rufe nach einer "Neugründung" der SPÖ werden laut. Wahlkampfleiter Christian Deutsch tritt seine Nachfolge an.

Auch die FPÖ ist ganz mit internen Aufräumarbeiten befasst. Nach dem Auffliegen der Spesenaffäre richtet sich der ganze Groll gegen Ex-Parteichef Heinz-Christian Strache. Aus der Vorarlberger FPÖ kam vor der Sitzung des Bundesparteivorstandes heute, Dienstag, die offene Forderung, Strache aus der Partei auszuschließen.