Der Wähler hat Österreichs Parteienlandschaft ordentlich umgerührt. Das bringt nicht nur politische, sondern auch organisatorische Folgen mit sich. SPÖ und FPÖ haben deutlich weniger Abgeordnete und bekommen daher weniger Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Dafür brauchen ÖVP und Neos mehr Platz und die Grünen überhaupt eine Unterkunft.

Entsprechend schwierig werden sich in den kommenden zwei bis drei Wochen bis zur konstituierenden Sitzung am 23. Oktober die Gespräche der Parlamentsdirektion mit den Parteien gestalten. Ein Zusatzfaktor ist nämlich, dass planmäßig in zwei Jahren wieder in das dann sanierte Parlamentsgebäude am Ring übersiedelt wird und somit auch die Raumsituation dort mitbedacht werden muss. Derzeit tagt der Nationalrat im Ausweichquartier in der Hofburg.

Die Grünen besitzen derzeit gerade einmal drei Arbeitsplätze in einem Nebengebäude am Stubenring, in dem neben Büros der Parlamentsdirektion die zwischenzeitlich "wilde" Nationalratsabgeordnete Alma Zadic und die beiden Bundesräte Ewa Ernst-Dziedzic und David Stögmüller untergebracht sind. Allenfalls könnten als Übergangslösung Räume der Liste Jetzt zur Verfügung gestellt werden, die von dieser nicht mehr gebraucht werden.

Unklare Situation

Die Liste Jetzt sitzt in einem weiteren Nebengebäude in der Löwelstraße gemeinsam mit den Neos und Teilen der Parlamentsdirektion. Was mit diesen Räumlichkeiten passiert, ist noch unklar. Sie waren über etliche Jahre vor deren Ausscheiden aus dem Nationalrat Heimat der Grünen. Sie sind jetzt aber fast schon zu groß dafür, selbst wenn neben dem vom Wähler erzwungenen Auszug von Jetzt auch die Neos in ein anderes Haus übersiedeln.

Eines der schönsten Nebengebäude befindet sich in der Reichsratsstraße direkt hinter dem Parlament. Dieses wird derzeit teilrenoviert. Was benützbar ist, wird von den Freiheitlichen bewohnt, die auch noch weitere Büros in einer Nebengasse haben. Doch hat die FPÖ nicht weniger als 20 Abgeordnete verloren. Insofern wird auch hier eine Änderung vonnöten sein.

Gleiches könnte den Sozialdemokraten blühen. Sie sitzen derzeit in einem der beiden provisorisch errichteten Pavillons, die die Mitte des Heldenplatzes dominieren. Ob sie die Büros zur Gänze halten können, wiewohl zwölf Mandate verloren gingen, ist noch Gegenstand der Verhandlungen.

Ein angenehmeres Problem hat die ÖVP. Sie bewohnt mit ihrem Klub den anderen Pavillon am Heldenplatz und wird dank des Zugewinns von neun Sitzen auch mehr Platz benötigen. Schon derzeit geht es sich nicht ganz aus, weshalb der ÖVP Büros im neben dem Parlament gelegenen Palais Epstein zugewiesen wurden.

Vorerst ist freilich noch der alte Nationalrat im Dienst. Vor der konstituierenden Sitzung am 23. Oktober könnte man theoretisch auch noch in der alten Konstellation mit Jetzt und ohne Grünen Klub zusammentreten, weshalb die Fraktionen nun noch keinen Zwang haben, verlorene Plätze zu räumen. Auch bei der Präsidiale, die am 16. Oktober das Programm für die konstituierende Sitzung festlegt, ist Jetzt noch mit dem Klubchef vertreten. Später darf dann auch ein Vertreter der Grünen als Neuling an einer weiteren Besprechung im Bereich der Präsidiale teilnehmen. (apa)