Das kann Werner Kogler. Diesen Posten wird ihm wohl niemand streitig machen - schließlich ist es ihm gelungen, "für Einigkeit bei den Grünen, für einen Motivationsturbo" zu sorgen, wie die steirische Grüne Sandra Krautwaschl beim Treffen des erweiterten Bundesvorstands am Freitag betont. Und auch wenn Kogler selbst sagt: "Wir sind die Grünen und keine One-Man-Show", die Grünen wollen für Klimaschutzbewegte aus NGOs, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft "Gesicht, verlängerter Arm, Spielbein im Parlament" sein. Noch aber steht Kogler als der Einende alleine im Zentrum.

Ein denkbares grünes
Szenario - unter vielen

Kogler hat "die Vollmacht, ein Sondierungsteam selber auszuwählen". Bei der Frage nach den Beteiligten bleibt er Pokerface. Im Spiel ist jedenfalls ein kleines Bundesländer-Team, etwa Rudi Anschober aus Oberösterreich, Johannes Rauch aus Vorarlberg, Astrid Rössler aus Salzburg und Birgit Hebein aus Wien, die bis auf Letztere alle verhandlungserfahren sind.

In den eventuellen Koalitionsverhandlungen aber muss das Team wachsen - bei ÖVP und FPÖ saßen im Herbst 2017 in 25 Fachgruppen rund 75 Personen: Da ist zwar theoretisch viel Platz für Leute aus der Wissenschaft, NGOs und der Zivilgesellschaft - praktisch braucht es aber auch hier Leute mit politisch Erfahrung und auch eine Strategie.

Die einfachere grüne Strategie für das Gegenüber, die ÖVP, wäre, viele grüne Pragmatiker einzusetzen und Fachleute, die zwar Expertise mitbringen, aber eher weniger Übung im taktischen Verhandeln. Möglich wäre es aber auch, schon an dieser Stelle die kritischen Stimmen aus dem grünen Osten und dem Parlament einzubauen. Gibt es trotzdem ein gemeinsames türkis-grünes Regierungsprogramm, taucht in diesem Fall Kritik nicht erst beim Bundeskongress auf. Dieser muss ein solches Programm beschließen.

Einen Bundeskongressbeschluss braucht es auch für das Regierungsteam. An ministrablem Angebot haben die Grünen jedenfalls durchaus einige Personen anzubieten. Wie wäre es mit Astrid Rössler als grüner Vizekanzlerin und Chefin eines Superministeriums Umwelt und Infrastruktur? Werner Kogler bliebe dann Integrationsfigur im Klub. Denn in der Vergangenheit war es nicht einfach, die Grünen auf einer Linie zu halten. Und bei Türkis-Grün müssten manche Grüne im Nationalrat teils vielleicht schwer Verdauliches mitbeschließen.

Am Zug ist jetzt aber vorerst einmal ÖVP-Chef Kurz. Bis zu einer Regierungsbildung haben die Grünen noch lange Zeit, ein prominentes Ass aus dem Ärmel zu zaubern.