Neben der Migrationsfrage ist es der Kampf gegen den Klimawandel, der uns noch Jahrzehnte beschäftigen wird." Das nennt ÖVP-Obmann Sebastian Kurz bei der Präsentation des Koalitionsprogramms als künftiger Kanzler neben "seinen" Themen, wie zum Beispiel steuerliche Entlastung, Bildung oder Sicherheit.

Für Kurz geht es darum, "respektvoll mit der Umwelt und der Schöpfung" umzugehen, und darum, die Wirtschaft auch mit einer Ökologisierung anzukurbeln. Für Werner Kogler, Bundessprecher der Grünen und künftiger Vizekanzler, geht es um weit mehr, das zentrale Thema der Grünen: "Österreich soll zum europäischen Vorreiter in Sachen Klimaschutz werden", kündigt er vollmundig an.

Eine erste Analyse der mehr als 50 Seiten zu Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen des insgesamt 326 Seiten langen Regierungsprogramms befördert allerdings neben manch Konkretem reine Ziele und Ankündigungen zu Tage. Die Wörter CO2-Steuer oder CO2-Abgabe sucht man vergeblich, stattdessen ist vorsichtig von der "Herstellung von Kostenwahrheit" die Rede. Aber, so Kogler: "Das Ziel ist eindeutig: Klimaschädliches Verhalten soll einen Preis bekommen." Ein Einblick in die türkisgrünen Wege dorthin.

100-prozentige Zielwerte
und andere Ankündigungen

Es geht um 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen, die will man 2030 erreichen. Der schrittweise Ausstieg aus fossilen Energieträgern startet schon heuer, ab 2025 sind dann keine Neuanschlüsse von Gas-Heizungen mehr geplant und das "Aus" für Öl- und Kohleheizungen soll es 2035 geben. Ziel sind Nullemissionsgebäude, beim Neubau wie auch über Sanierungen.

Mit im Programm sind auch eine Klima- und Kreislaufwirtschaftsstrategie für die Industrie und eine Million Dächer mit Photovoltaik. Selbst dass ÖVP und Grüne bei einer Technologieoffensive auf Wasserstoff setzen wollen, ist mehrmals vermerkt. So soll es eine "Neue Österreichische Wasserstoff-Strategie" geben: "Damit soll Österreich zur Wasserstoffnation Nummer 1 werden." Im ÖVP-Wahlprogramm ergänzte man diesen Satz, sonst beinahe wortident, übrigens noch um "weltweit".

Von der Flugticket-Abgabe
über Pendler bis zur Lkw-Maut

Etwas konkreter und vor allem auch grüner werden die künftigen Koalitionsparteien im Kapitel Verkehr und Infrastruktur. Hier ist neben einem Masterplan immerhin auch von einem "1-2-3 Österreich-Ticket" die Rede. Was sich dahinter verbirgt, ist - wie übrigens schon im grünen Wahlprogramm - kurz erklärt: Um einen Euro pro Tag könne man in einem Bundesland mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein, um zwei Euro auch im Nachbarbundesland und für drei Euro pro Tag, also um 1095 Euro, könnte man demnach ein ganzes Jahr lang bundesweit mit den Öffis fahren.