- © apa/Helmut Fohringer
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Wien. "Es wird am Wahltag so sein wie bei uns, auch uns wurden Verluste prognostiziert und dann haben wir dazugewonnen." Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der deutschen Grünen, sollte mit seiner Einschätzung beim grünen Wahlkampf-Finale daneben liegen. Und wie.

Dass die Grünen nicht dazugewinnen werden, war freilich erwartet worden. Auch ein deutlicher Verlust hätte niemanden überrascht. Dass aber jene Partei, die 1986 erstmals ins Parlament einzog und seither immerhin bis auf 12,5 Prozent wachsen konnten, aus dem Nationalrat hinausgewählt werden könnten - das schienen nicht einmal grüne Pessimisten zu befürchten.

Die Ökopartei wird wohl bis zum endgültigen Ergebnis am Donnerstag zittern müssen, ob sie in der kommenden Legislaturperiode im Nationalrat vertreten sein werden. In den Hochrechnungen am Wahltag, die bereits die Wahlkarten beinhalteten, lagen sie jedenfalls knapp unter der Vier-Prozent-Marke. Da die Ergebnisse auf besonders hohe Verluste in den Hochburgen hindeuteten, dürfte auch ein Einzug über (wenigen) Grundmandate kein Thema sein.

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Dieser komplette Absturz der Grünen hat natürlich viele Gründe. Sollte der Einzug in den Nationalrat aber tatsächlich knapp verpasst sind, dann hätte dieses Fiasko ein Gesicht - jenes von Peter Pilz. Anders formuliert: Hätte der Alt-Mandatar beim Bundeskongress den von ihm avisierten vierten Listenplatz nicht verpasst - 14 Stimmen machten den Unterschied -, wären die Grünen unter Garantie eingezogen. Die anschließende Dynamik war für die Partei jedenfalls tödlich.

Doch zurück zum Start des grünen Desasters, das zugleich auch den Pilz’schen Aufstieg bedeutete: Den Sieg Alexander Van der Bellens, der Anfang Dezember zwar als unabhängiger Kandidat Bundespräsident wurde, bekanntermaßen aber langjähriger Spitzenpolitiker war, konnten die Grünen nicht für sich nutzen. Im Gegenteil: Schon wenige Tage danach stellte der spätere Abtrünnige Peter Pilz den Kurs der damaligen Parteichefin Eva Glawischnig in Frage. Die Grünen müssten raus "an die Stammtische", es brauche eine kantigere Politik. Solchen Linkspopulismus hielten andere, auch die Parteichefin, damals noch für verzichtbar.

Ruhe kehrte nicht ein, in der Partei rumorte es weiter. Im Zuge der ÖH-Wahlen eskalierten interne Konflikte, was schließlich im Rauswurf der Jungen Grünen Ende März gipfelte. Der Parteispitze gelang es nur noch kurz, Ablösegerüchte der Parteichefin im Zaum zu halten. Eva Glawischnig warf, auch gesundheitlich angeschlagen, am 18. Mai das Handtuch und legte alle ihre politischen Funktionen zurück.