73 Prozent der Österreicher stimmen politisch mit ihrem Partner zumindest in den meisten Fragen überein. 81 Prozent geben sogar an, meist die selbe Partei zu wählen (wobei ein Viertel nicht weiß, was der Partner wählt, bei Unter-30-Jährigen sogar 40 Prozent). Trotzdem sorgt Politik bei jedem vierten Pärchen für angeregte bis hitzige Diskussionen und in vier Prozent der Fälle sogar für Streit. Dabei zeigt sich, dass Partner mit Matura oder Hochschulabschluss öfter über Politik diskutieren (33 Prozent), dass dagegen bei Pflichtschulabsolventen überdurchschnittlich oft gestritten wird (7 Prozent).

Alter bestimmt Themen

Welche politischen Themen dabei wichtig sind, ist - wie die Umfrage zeigt - stark altersabhängig. So ist laut Umfrage für die 18- bis 29-Jährigen Bildung das politische Top-Thema, zwischen 30 und 39 Familie und Kinderbetreuung. Arbeitsmarkt als wichtigstes Thema der 40-Jährigen wird ab 50 von der Gesundheitspolitik verdrängt. Ab 60 interessieren dann vor allem die Parteien und Politiker an sich.

Welche Politikfelder am Mittagstisch debattiert werden, hängt aber auch stark von der jeweiligen Parteipräferenz ab. Während sich SPÖ-Wähler mit ihren Partnern überdurchschnittlich oft über Gesundheit und Arbeitsmarkt unterhalten, sind bei ÖVP-Wählern die Top-Themen Familie, Kinderbetreuung, Energiepolitik und Steuern. Die freiheitlichen Wähler unterhalten sich am liebsten über Kriminalität, Sicherheit, Asyl- und Fremdenpolitik, aber auch über Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit. Bei den Grün-Wählern wiederum dominieren die Themen Umweltschutz, Gleichberechtigung und Bildung. Hier ist wie auch bei den ÖVP-Wählern Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit kaum ein Thema.

Kultur des friedlichen Streits

Dass an der Politik nicht mehr Beziehungen zerbrechen, erklärt Hofinger mit einer "gewissen Entspanntheit" in der österreichischen politischen Diskussion - und mit einem historischen Lerneffekt: "Die Parteien haben aus den Erfahrungen der 20er und 30er Jahre gelernt, dass das Zulassen anderer politischer Meinungen wichtig ist." Es gebe zwar keinen Mangel an politischen Differenzen, aber es habe sich eine Kultur entwickelt, wie mit diesen Differenzen umgegangen wird. "Politik ist zwar ein wichtiges Thema, entzweit aber die wenigsten", so Hofinger.

Auch für Psychologin Erb ist "Politik kein Grund, sich zu trennen. Andere Werte sich wichtiger: Treue, Vertrauen, Ehrlichkeit."