Wien. Mit der politischen Instrumentalisierung des Begriffs "Nächstenliebe" hat FPÖ-Wahlkampfleiter Herbert Kickl wieder für heftige Diskussionen gesorgt. Die zweite Welle an Plakaten werde kommende Woche affichiert, kündigte er im Interview an. Den Wahlkampf-Song für Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache singt diesmal "ORF-Star" Werner Otti. Mit seinem literarischen Vorbild will sich Kickl übrigens nicht messen: "Hölderlin würde sich im Grab umdrehen."

Zum insgesamt dritten Mal hat Kickl die Leitung für den freiheitlichen Wahlkampf ums Hohe Haus inne, rund 15 Mitarbeiter hat er für die heiße Phase in der Parteizentrale um sich geschart. "Ich arbeite mit dem Nationalmannschafts-Modell", verrät er, aus allen Bereichen würden die Besten geholt.

"Wir führen keinen Krieg"
Von einem "War Room" will Kickl nicht sprechen, "wir führen keinen Krieg". Vielmehr handle es sich um eine "Kommandozentrale" oder "Mission Control". Zwei Monate vor Wahltermin setzt sich die blaue Wahlkampfmaschinerie in Gang, als "Freund später Entscheidungen" bezeichnet sich Kickl. Dass seine "Nächstenliebe"-Kampagne Wirbel verursacht hat, erfüllt ihn mit Genugtuung, denn: "Ein Plakat, über das nicht gesprochen wird, ist kein gutes Plakat."

Kommende Woche soll die zweite von drei Wellen affichiert werden, wieder sollen es drei Motive sein, die bereits angesprochenen Themen sollen dabei "weiter konkretisiert" werden. Dass bei den kommenden Plakataktionen wieder gereimt wird, will Kickl nicht ausschließen. Die Form, für die Kickl berüchtigt ist, habe sich beim ersten Wiener Wahlkampf mit Strache ergeben. "Es war die ambitionierte Vorgabe, mit möglichst nur drei Worten auszukommen", so der Wahlwerber. "Wir waren gewissermaßen Trendsetter."

Ein Lied verändert die Wahlkampfwelt
Kickl bezeichnet sich zwar als Fan von Friedrich Hölderlin, vergleichen will er sich mit ihm aber nicht - "Ich will ja keinen Literaturpreis gewinnen". Auch der eine oder andere "Holperer" sei durchaus beabsichtigt, um im Gespräch zu bleiben. Kein Strache-Rap, sondern ein Rocksong soll das Wahlvolk diesmal beglücken. Interpret ist "ORF-Star" Werner Otti, der es bis ins Finale der Casting-Show "Die große Chance" geschafft hat. "So einen Song haben wir im Wahlkampf noch nie gehabt", zeigt sich Kickl überzeugt vom Produkt, das ebenfalls kommende Woche noch vor dem offiziellen Wahlkampfauftakt in Linz präsentiert werden soll. Es handle sich dabei um eine "neue musikalische Qualität".

Höchst erfolgreich sind auch die Aktivitäten der FPÖ in den neuen Medien - Strache hat mehr Fans auf Facebook als alle anderen Spitzenkandidaten zusammen. "Wir waren sehr schnell bei dieser damals neuen Plattform dabei", begründet Kickl den Erfolg. Strache habe zudem erkannt, dass dieses Kommunikationsmittel zu seiner Person passe. Privat ist Kickl ein Facebook-Verweigerer. "Ich bin ein Freund eines gediegenen Zeitmanagements", begründet er das. "Man muss ja nicht auf jedem Kirchtag tanzen."

Sein Studium der Philosophie hat Kickl abgebrochen, inskribiert ist er schon lange nicht mehr. Platon, Immanuel Kant und Georg Wilhelm Friedrich Hegel nennt er als seine Inspirationsquellen, wobei der 44-Jährige nicht ausschließt, den Abschluss nachzuholen. Allerdings lediglich aus Interesse und nicht etwa aufgrund eines Bachelor-Titels. "Dann glaubt man, ich bin bei RTL."