Wien. Die Grünen müssen sich oft sagen lassen, ständig frustriert und schlecht gelaunt zu sein. Dem wollte die Ökopartei beim Wahlkampfauftakt am Montag im Wiener Palmenhaus eine gute Portion Humor entgegenstellen - was anfangs auch gelang, schließlich erklomm mit dem Kärntner Landesrat Rolf Holub als Erster ein Kabarettist die Bühne.

Holub signalisierte den Grünen zweierlei: Die Bereitschaft mitzuregieren und den Kampf gegen Korruption. Man könnte fast den Eindruck bekommen, die Grünen sind heute wie in ihren Anfangstagen eine Single-Issue-Partei, wobei die Korruptionsbekämpfung den Umweltschutz abgelöst hat. Bei Holub kommt das aber alles mit einer humoristischen Note herüber und er verspricht Parteichefin Eva Glawischnig: "Du wirst sehen, was wir am Wahlabend Spaß haben werden."

Das mit Spaß und guter Laune hatte sich allerdings schon wieder, als Parteivize Werner Kogler das Wort ergriff. Da war er wieder, der grüne Grant - und im Falle Koglers wendete der sich fast ausschließlich gegen die ÖVP. Dieser warf er vor, daran Schuld zu sein, dass es überhaupt ein Bankenrettungspaket in Österreich gebraucht hat. Kogler kritisierte den Einfluss von Raiffeisen auf die ÖVP und sah die "einzige Wirtschaftskompetenz der Schwarzen in der Freunderlwirtschaft".

Das Ziel dieser Attacken ist klar: Die Grünen spitzen auf enttäuschte bürgerliche Wähler, denn mittlerweile werde man auch "von der Mitte der Bevölkerung akzeptiert", so Kogler.

Damit soll es auch mit dem erklärten Wahlziel von Glawischnig klappen: "15 Prozent plus" - oder dem weit ambitionierteren Wahlziel, "am 29. September die FPÖ zu überholen", denn diese dürfe man nie wieder regieren lassen.

"So sind SPÖ und ÖVP keine Partner für die Grünen"

Nachdem sich Kogler ausschließlich auf die ÖVP eingeschossen hatte, ging Glawischnig auch zur SPÖ auf Distanz. Werner Faymann warf sie vor, dass er nicht im U-Ausschuss ausgesagt hat und sich im Wahlkampf weigert, an "Elefantenrunden" aller Spitzenkandidaten teilzunehmen. Überhaupt betreibe die SPÖ nur Klientelpolitik. Glawischnigs Fazit: "So wie SPÖ und ÖVP regieren, sind sie keine Partner für die Grünen." Trotzdem sieht sie die Chance auf einen Neustart, denn "das Prinzip Hoffnung ist heute, Ohnmacht war gestern".