Wie stabil sind die Wählerkoalitionen der Rechtspopulisten? Frank Stronach etwa gelingt es aus dem Stand, der FPÖ fast ein Drittel ihrer Wähler abspenstig zu machen.

Stronach ist aus meiner Sicht ein postmoderner Populist: ideologisch kaum zuordenbar, wenig konkrete Inhalte und volle Konzentration auf die Führungspersönlichkeit und deren schillernde Erfolgsgeschichte. Arnold Schwarzenegger, Silvio Berlusconi oder jetzt auch der Linkspopulist Beppe Grillo in Italien wären weitere Beispiele für so einen postmodernen Populismus. Für die klassischen Populisten liegt darin natürlich eine gewisse Gefahr, weil er all jene anzieht, die etwa mit Fremdenfeindlichkeit nichts am Hut haben. Das könnte durchaus ein zukunftsfähiges Konzept sein, zumal sie weitgehend ohne die traditionellen Medien auskommen. Die digitale Kommunikationsrevolution bleibt auch für die Politik nicht ohne Folgen.

Warum gelingt es der Linken nicht, einen ähnlich erfolgreichen Populismus hervorzubringen? Grillo in Italien ist ein Versuch, Syriza in Griechenland ein weiterer, aber erfahrungsgemäß zerfallen diese Protestbewegungen rasch wieder. Sind ethnische Ressentiments stärker in unseren Genen verankert als ökonomische Klassengegensätze?

Das ist ein interessanter Gedanke. Tatsächlich scheint der Rechtspopulismus deutlich attraktiver zu sein als ein linkspopulistisches Pendant - außer der Frust über das politische System ist so extrem wie derzeit in Italien, wo Grillo die Proteststimmen einsammeln konnte.

Gemeinhin werden Parteien daran gemessen, was sie umsetzen. Das Streben in eine Regierung entspricht also ihrer politischen Logik. Gilt dieser Erfolgsdruck auch für Rechtspopulisten, oder reicht hier schon das Aufgreifen von Themen?

Die Entwicklung geht klar in Richtung Entpolitisierung, das zeigt sich auch am sinkenden Stellenwert politischer Programme. Wenn es die Chance gibt, streben auch Rechtspopulisten in eine Regierung. Generell liegt die stärkste Wirkung dieser Parteien aber in einer grundsätzlichen Veränderung des Diskurses, also welche Themen wie thematisiert werden. Hierin liegt für mich der eigentliche Erfolg der Populisten: die stärkere Betonung von Ressentiments in der Politik.