Wien. Dass SPÖ und ÖVP von der aktuellen Berichterstattung mit neuen Fakten über mögliche Parteienfinanzierung nicht profitieren, scheint auf der Hand zu liegen. Experten sind sich aber noch nicht sicher, welche konkreten Folgen dies rund ein Monat vor der Nationalratswahl haben kann.

Mit Schaden für die Regierungsparteien sei jedenfalls zu rechnen, meint Politikberater und WZ-Blogger Thomas Hofer. Profiteure seien dagegen die Grünen. Ähnlich sieht das Meinungsforscher Peter Hajek, der einen "Knieschuss für das politische System" ortet.

Hofer sieht zwar "nicht unbedingt die Grundfesten der Republik erschüttert", denn die Ermittlungen seien grundsätzlich schon bekannt gewesen. Doch angesichts neuer Fakten "wird nun ein Thema wiederbelebt und aktualisiert, das latent die letzten drei Jahre dominiert hat und für beide Koalitionsparteien, vor allem aber für die ÖVP, natürlich ein massives Problem war". Dies richte "Schaden an" und wäre gut für die Grünen.

Deswegen müssten SPÖ und Volkspartei nun auch rasch danach trachten, eigene Themen zu lancieren. Zumal Hofer auch die "Gefahr einer gewissen Demobilisierung" in der Wählerschaft sieht: Enthüllungen darüber, wie sich Parteien mit Geld versorgt haben sollen, schüre die Politikverdrossenheit.

Ähnlich Hajeks Diagnose: "Das ist Wasser auf die Mühlen der Politikverdrossenheit und Politikerverdrossenheit. Auch er rechnet damit, dass die Causa einen "Impact" hat, wagt aber noch nicht, die Folgen abzuschätzen. "Aber eines ist klar: Die 50-Prozent-Marke (für SPÖ und ÖVP gemeinsam, Anm.) ist zumindest gefährdet." Hajek hält auch die "Absturzgefahr der ÖVP für größer", weil diese auch durch den Fall Strasser negative Presse gehabt habe.