Wien. Eine Gruppe Jugendlicher, ein Basketballkäfig und lautes Gelächter. Das Wort Politik wird in die Menge geworfen. Der zeigefingerhebende Faymann auf roten Plakaten wird durch den Kakao gezogen, HC Straches vermeintliche Nächstenliebe in Frage gestellt. "Auf dem einen Bild war er der Oma seltsam nahe", sagt ein Junge mit Zigarette in der Hand und grinst schelmisch. "Nicht nur das - wenn ich neben ihm stehe, liebt er mich dann auch, obwohl ich Moslem bin?", fragt ein anderer mit Kapuzenpulli.

Rund 348.000 Wahlberechtigte sind bei der Wahl Erstwähler zwischen 16 und 18. Untersuchungen über das Wahlverhalten der jüngsten Wähler gibt es nur wenige - schon gar nicht über junge Migranten. Wen kennen sie, wen wählen sie und warum? Oder spielt für sie die Politik im Heimatland der Eltern eine größere Rolle als das Match Faymann gegen Spindelegger?

Eines wird schnell klar im Käfig: Sie gehen hin, weil sie das wichtig und richtig finden. Doch was zur Wahl steht, wissen sie nicht so genau. Eine Partei, der Kanzler, ein Parlament? Will Stronach Präsident werden? Das Wort Nationalrat hinterlässt bei ihnen einen eher diffusen Eindruck.

Stimme für Plakat-Kanzler

Der 16-jährige Ali Durmus hat sich vorgenommen, wählen zu gehen. "Ich habe einen Brief von der SPÖ bekommen, deswegen weiß ich davon." So weiß Ali zwar nicht, was genau gewählt wird, seine Stimme aber bekommt die SPÖ. "Die sind einfach die Besten. Außerdem kenne ich den Faymann von den Plakaten, die überall hängen."

Der Serbe Milos Grozdic würde gerne wählen, kann aber nicht. "Wäre ich Staatsbürger, würde ich auf jeden Fall wählen", erklärt der 18-Jährige. "Und dann natürlich Rot." 43 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund sind laut Statistik Österreich bereits eingebürgert. Rund 530.000 Migranten sind am 29. September wahlberechtigt. Milos Eltern gehören nicht dazu. In Österreich leben 80.000 nicht wahlberechtigte Türken und ähnlich so viele Serben und Bosnier. "Deswegen haben sie auch wenig Interesse an den bevorstehenden Wahlen."

Abdullah Celik sitzt stirnrunzelnd auf einer Parkbank und zupft an seinem roten Cap. "Ich habe in einer Gratis-Zeitung von irgendwelchen Wahlen gelesen", meint der 16-Jährige. "Ich finde es super, dass ich in meinem Alter wählen kann, und werde es auch sicher machen."