Wien. Rund 534.000 potenzielle Wähler haben nach Angaben der Statistik Austria Wurzeln außerhalb Österreichs. Das sind 8,6 Prozent aller Wahlberechtigten - kein Wunder also, dass sich sämtliche Parlamentsparteien bemühen, in ihren Kampagnen auch diese Wählergruppe anzusprechen. Die Zahl der an wählbarer Stelle gelisteten Kandidaten mit Migrationshintergrund ist dagegen überschaubar. Immerhin dürften in der kommenden Legislaturperiode erstmals drei Fraktionen über jeweils einen Mandatar mit ausländischen Wurzeln verfügen.

Vereine und Events der Communities

Besonders aktiv in den Migranten-Communities gibt sich die SPÖ, die mit dem türkisch-stämmigen Resul Ekrem Gönültas auch einen eigenen Koordinator für den entsprechenden Zielgruppen-Wahlkampf vorweisen kann. Aufgelegt werden Werbemittel, die die Migrantengruppen ansprechen sollen, wie Folder, Poster und Autogrammkarten. So setzt man dann auch auf Verteilaktionen, besucht Migranten-Vereine und Veranstaltungen der Communities.

Mit Nurten Yilmaz, bisher im Wiener Gemeinderat vertreten, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch erstmals eine türkisch-stämmige Mandatarin für die SPÖ in den Nationalrat. Insgesamt haben die Sozialdemokraten neben diversen Bewerbern auf den Landeslisten vier Kandidaten mit Migrationshintergrund in die Top 100 der Bundesliste gesetzt.

Erster muslimischer ÖVP-Politiker

Erstmals einen gläubigen Muslimen dürfte es nach der Wahl im Klub der ÖVP geben. Asdin El Habbassi, Chef der Jungen ÖVP Salzburg mit Wurzeln in Marokko, hat auf der Bundesliste Platz fünf ergattert, was unter normalen Umständen den Weg ins Parlament ebnet. Einen eigenen Migranten-Wahlkampf führt die Volkspartei allerdings nicht, heißt es aus der Parteizentrale.

Die ÖVP stehe für klare Werte und Inhalte. Wer diese teile, werde auch für die Volkspartei stimmen, unabhängig vom familiären Background. Rückenwind erhofft sich die ÖVP auch durch Staatssekretär Sebastian Kurz, der in der Integrationspolitik für einen Paradigmenwechsel gesorgt habe.

Wie die ÖVP meint auch die FPÖ, nicht extra einen auf Zuwanderer zugeschnittenen Wahlkampf führen zu müssen. Wahlkampf-Leiter Herbert Kickl meint im Gespräch mit der APA, dass ohnehin viele Österreicher mit Migrationshintergrund die Positionen der FPÖ teilten, etwa das Nein zu einem Vorrücken des Islamismus. In dieser Debatte gebe es durchaus auch Unterstützung von konservativen Türken, für die eine Trennung von Staat und Religion wichtig sei.