Tellerwäscher-Story rettet Stimmen. - © Marko Mestrovic/picturedesk.com
Tellerwäscher-Story rettet Stimmen. - © Marko Mestrovic/picturedesk.com

Wien. Der 62-jährige Trivun S. kam 1975 mit wenigen Worten Deutsch und ohne konkrete Vorstellung aus Serbien nach Österreich. "Ich wollte eine Zeit lang bleiben, viel arbeiten und wieder zurück." Er nahm einen Job in einer Fabrik an; zurück ging er jedoch nie. 38 Jahre später besitzt der Pensionist ein Haus in Niederösterreich und fühlt sich in seinem Arbeiterstädtchen in der Nähe von Wien "zu Hause".

Seinen vollen Namen möchte der ehemalige Fabrikarbeiter nicht in der Zeitung lesen. Er traut Journalisten nicht. "Wer weiß, was Ihr mir dann in den Mund legt." Damit hat er etwas mit Parteigründer Frank Stronach gemein, der, so scheint es, TV-Journalisten lieber anherrscht, als Fragen zu beantworten.

Gemeinsame Sprache

Doch noch stärker verbindet den Ex-Hackler aus Serbien und den Milliardär aus Kanada die gemeinsame Vergangenheit als Gastarbeiter. Auch Stronach ist der Sprache kaum mächtig und mit wenig Geld in der Tasche ausgewandert; auch er musste sich in einem fremden Land eine Existenz aufbauen. Diese starke Identifikation mit dem Neo-Politiker lässt so manchen älteren Zuwanderer über Stronachs Wutausbrüche oder Todesstrafen-Sager hinwegsehen - Eskapaden, die Stronach laut Umfragen sehr geschadet haben. Doch während der Akzent vom "Fränk" Kabarettisten und Spötter auf den Plan ruft, erkennen sich Migranten wie der 55-jährige bosnische Arbeiter Suad A. darin wieder. "Er wird ausgelacht, wenn er so spricht. Aber ich rede genauso und das ist kein Grund, sich zu schämen. Außerdem verwendet er keine komplexen Ausdrücke. Ich kann ihn gut verstehen."

Wenn der 81-jährige Stronach mit Geldscheinen wachelt oder sich fast peinlich in Szene setzt, fühlen sich manche Migranten an Besuche "unten" am Balkan erinnert, wo der in Österreich angehäufte "Reichtum" zur Schau gestellt und damit um Aufmerksamkeit gebuhlt wird.

"Politiker tun nur so"

Stronachs Auswanderer-Geschichte kann Suad A. auswendig. Stronach sei "mit einem kleinen Koffer, 200 Dollar in der Tasche, einer Jeans, zwei Hemden, einem Paar Unterhosen und einem One-Way-Ticket" losgestartet. "Er hat aus dem Nichts ein Imperium geschaffen. Trotzdem ist er einer von uns, weil er weiß, wie das ist, sich einem fremden Land ein Leben aufzubauen." Die restlichen Politiker täten nur so.

Der Bosnier wird Stronach garantiert wählen. Trivun S., der treue Rot-Wähler, hadert noch. "Ich muss ehrlich zugeben, dass Stronach schon irgendwie sympathisch ist", sagt er und schlürft eine Tasse bosnischen Kaffee. "Ich spiele mit dem Gedanken, heuer erstmals nicht Rot zu wählen, sondern meine Stimme Stronach zu geben."

Auch seine Ex-Kollegen, allesamt Zuwanderer, tendieren beim wöchentlichen Kartenspiel im Café ins Lager des Milliardärs. "Der Herr hat Ahnung von Wirtschaft und bringt Dinge auf den Punkt", wirft ein 70-jähriger Kartenspieler in die Männerrunde und ergattert zustimmendes Kopfnicken. "Ich werde ihm sicher meine Stimme geben."

Stronach gilt als härtester Widerpart der FPÖ, weil er Wähler anzieht, die einst mit Jörg Haider "gegen das System" waren. In der Gruppe der Migranten, die bei der Wahl fast 600.000 Stimmen stark ist, dürfte Stronach aber auch der SPÖ wehtun. 49 Prozent dieser Wähler haben laut einer Befragung von Sora bei den Nationalratswahlen 2008 SPÖ gewählt.

Bei den Wien-Wahlen 2010 rührte der Box-Weltmeister Gogi Kneeviæ die Werbetrommel für die SPÖ. Doch danach habe sich die Partei nicht mehr gerührt, ist er enttäuscht. Und jetzt? "Wir sind uns sehr ähnlich. Er hat sich genauso wie ich von ganz unten nach oben gekämpft", schwärmt der 34-jährige Serbe im Interview mit dem Magazin "biber" von Stronach.

Hauptsache Hackler

Der 40-Jährige Arbeiter aus Niederösterreich, Mele Ademovic,mag Stronachs Einstellung zur Zuwanderung: "Ich habe gelesen, dass Stronachjeden als Österreicher sieht, der hier arbeitet", begründet Ademovic seinePräferenz bei der anstehenden Wahl. "Und er behandelt alle gleich, solange siearbeiten. Das ist fair." Sein Vater hat kein Wahlrecht. "Stronach wäre aber derEinzige, dem ich meine Stimme geben würde", sagt der 69-Jährige. "Er hat soviel Geld, dass er gar nicht korrupt sein braucht."