Wien. (gö) Dass es in der Bildungspolitik hakt, ist für Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) eindeutig die Schuld der Volkspartei. "Mit der ÖVP kommst du über bestimmte Punkte einfach nicht drüber. Dort haben Erzkonservative das Sagen." Sie würde sich auch wünschen, dass ihre eigene Partei da konfrontativer vorgehen würde.

Die jüngsten Attacken von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll gegen sie - Schmied habe in sieben Jahren nichts weitergebracht und werde der neuen Regierung nicht mehr angehören - versteht die Ministerin nicht. Unterstützung aus der eigenen Partei war allerdings mit freiem Auge auch nicht zu erkennen. Schmied revanchiert sich bei Pröll mit einem Seitenhieb auf die in Polit-Kreisen vermuteten Avancen Erwin Prölls auf das Amt des Bundespräsidenten. "Ich will jemand mit so negativer Aura nicht an der Spitze unseres Staates. Ich will eine Persönlichkeit mit humanistischem und tolerantem Weltbild."

Schmied werden allerdings auch in der SPÖ wenig Chancen eingeräumt, einer künftigen Regierung anzugehören. "Ich bin mittlerweile dienstälteste Bildungsministerin der EU", sagte sie zur "Wiener Zeitung". "Und alle bestätigen mir, dass es noch nie zuvor so viele bildungspolitische Vorstöße in Österreich gegeben hat."

Besoldungsrecht, Gesamt- und Ganztagsschule

Von der SPÖ verlangt sie aber, dass drei Punkte zwingend im kommenden Regierungsprogramm stehen müssen: das neue Besoldungsrecht, das flächendeckende Angebot einer Ganztagsschule sowie die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen.

"Die ÖVP spricht von Entfesselung und lässt sich von der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst und ihrem Chef Fritz Neugebauer in Geiselhaft nehmen. Auch Ruhaltinger (mächtiger Voest-Betriebsratschef am Höhepunkt der Voest-Krise in den 1980er Jahren, Anm. d. Red.) blockierte so lange, bis das Unternehmen fast pleite war. Der öffentliche Dienst kann zwar nicht pleitegehen, aber er verwahrlost", beschreibt Schmied die Wirkung Neugebauers.

Und sie kann auch die Rolle des ÖGB mit ihrer Teilgewerkschaft nicht ganz nachvollziehen. "Zur Kultur der Sozialpartnerschaft in Österreich gehört es, dass die Gewerkschaften auch den Fortbestand der Unternehmen im Auge haben. Das ist im öffentlichen Bereich aus dem Lot geraten."

Schmied hofft, dass die ÖVP bei den Wahlen deutlich verliert, und jemand aus der Wirtschaft in der Partei das Ruder übernimmt. "Dann würde sich die Bildungspolitik schneller bewegen."

Quasi als Trost liest sie gerade die Schriften des sozialdemokratischen Schulreformers Otto Glöckel (1874-1934). Viele seiner Ideen sind bis heute nicht Realität geworden. So machte sich Glöckel etwa detaillierte Gedanken über die Abschaffung des Fächerunterrichts und die Einführung eines ganztätigen Gesamtunterrichts. Schmied: "Diese Reden könnten auch heute gehalten werden."