Jetzt unabhängig, ob dies tatsächlich so ist: Die Konsequenz wäre, dass der Staat weniger einnimmt, aber nichts einspart . . .

Nein, die Bürger würden sich extrem viel ersparen, was wiederum Wirtschaft und Konsum ankurbeln könnte.

Damit lassen sich kaum die Kosten Ihrer Pläne refinanzieren.

Unsere Pläne gehen noch sehr viel weiter. Wir müssen mit der Unehrlichkeit abrechnen, die Kanzler Faymann und sein Vizekanzler Spindelegger leben. Beide zeigen nur nach Kärnten und auf die Hypo und vergessen dabei, dass SPÖ und ÖVP bei der Übernahme von 20 Milliarden Haftungen mitgestimmt haben. Und dann gehen beide her und verpflichten Österreich für ein drei Mal höheres Haftungspaket zur Eurorettung.

Immerhin sind die Euro-Haftungen Österreichs im Vergleich zur Wirtschaftsleistung deutlich geringer als jene Kärntens für die Hypo.

Proportional vielleicht, aber die Gefahr, dass die Haftungen schlagend werden, ist ungleich höher.

In Kärnten wurden die Haftungen nur deshalb nicht schlagend, weil die Bank notverstaatlicht wurde. Die Kosten daraus belaufen sich auf rund 10 Milliarden Euro.

Nein. Kärntens Haftung wäre nie schlagend geworden, wenn nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion der schwarze Finanzminister die Hypo verstaatlicht hätte, andernfalls hätten nämlich die Bayern zahlen müssen . . .

Hier widersprechen Ihnen praktisch alle Experten.

Nein, es gibt Experten, die unsere Sicht vertreten, wonach die Verstaatlichung ein Kriminalfall ist, von dem nur die Bayern und natürlich Raiffeisen profitiert hat.

Wie wollen Sie die Euro-Auflösung politisch durchsetzen?

Nach den Wahlen in Deutschland und Österreich wird die wirkliche Situation der Eurozone endlich ehrlich thematisiert werden. Deutschlands Finanzminister Schäuble hat ja bereits zugegeben, dass es ein weiteres Hilfspaket für Griechenland geben wird. Viele Ökonomen sagen, dass Italien, Spanien, Portugal und auch Frankreich den ESM in Anspruch nehmen müssen. Spätestens dann wird die Frage auftauchen, wer das alles bezahlen soll. Die Einzigen, die infrage kommen, Deutschland, Holland und Österreich, werden das nicht stemmen können. Dann müssen wir entweder eine Hyperinflation in Europa akzeptieren oder aber verantwortungsbewusst Alternativen aufzeigen. Die FPÖ ist dabei keineswegs allein: Auch in Frankreich gibt es Kräfte, die eine Rückkehr zum Franc fordern. In Deutschland gibt es die "Alternative für Deutschland". Natürlich brauchen wir die Unterstützung der Bevölkerung, um unsere Ausgrenzung durch Rot und Schwarz zu überwinden und um unsere Ideen durchzusetzen. Ich will nach Schweizer Vorbild eine direkte Demokratie mit Initiativrecht für das Volk und ein verbindliches Referendum über den ESM.

Ist das Ihre Koalitionsbedingung?

Ja.

Das heißt, die FPÖ wird auf absehbare Zeit nicht mitregieren.

Das ist zumindest der Plan von SPÖ und ÖVP, die sich die Grünen als Trittbrettfahrer in den Ländern aufbereitet haben. Wenn der Wähler uns eine Stärkung in Richtung 30 Prozent gibt, dann sind wir als Regierungspartner nicht zu verhindern.

Die FPÖ wirbt im Wahlkampf um die serbische Community. Wann haben Sie Ihre Liebe zu Serbien entdeckt?

Interessant, dass Sie das so sehen. Ich will, dass wir Europäer zusammenhalten, egal ob Russen, Griechen, Rumänen, Bulgaren, Serben. Diese Völker sind alles Christen, für mich gehört das als fixer Bestandteil zu Europa. Wir wollen keine Islamisierung, wie sie derzeit schleichend stattfindet. Gegen diese Fehlentwicklungen treten wir auf.

Gehört Bosnien auch zu Europa?

Ja, natürlich.

Wir fragen, weil die Bosniaken mehrheitlich Moslems sind.

Hier leben auch Kroaten und Serben. Bosnien ist ein künstlich aufrechterhaltener Staat, wo Serben und Kroaten daran gehindert werden, im Rahmen der Selbstbestimmung zu entscheiden, ob sie Teil Kroatiens oder Serbiens werden wollen. Damit züchtet man die Konflikte der Zukunft. Ganz ähnlich ist die Lage Kosovo, wo dem serbischen Norden nicht einmal ein Autonomiestatus gewährt. Das Verhalten der internationalen Gemeinschaft ist unverständlich. Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun.

Soll der ganze Balkan zur EU?

Langfristig ja, aber zuvor muss die EU weg vom bundesstaatlichen Zentralismus. Wir brauchen ein föderales Europa der Vaterländer. Dazu gehören alle europäischen Staaten.

Also wäre auch Russland ein Kandidat für die EU-Mitgliedschaft?

Ja, in einem reformierten Europa. Immer in der Geschichte, wenn Russland näher bei Europa war, hatte das positive Folgen. Wir kämpfen gegen einen zentralistischen EU-Bundesstaat mit allen demokratischen Mitteln - schlimmstenfalls darf auch eine Diskussion über einen Austritt kein Tabu sein.