Wien. Vitali Klitschko ist Linksausleger, doch politisch steht er rechts. Deswegen steigt er für seinen konservativen Parteifreund Michael Spindelegger in den Ring. Der ukrainische Boxweltmeister, der mit seinem Bruder Vladimir seit vielen Jahren die Schwergewichtsklasse der Boxwelt dominiert, wird am Dienstag mit ÖVP-Chef Michael Spindelegger zusammentreffen, erfuhr die "Wiener Zeitung" aus gut informierten Kreisen. Im Außenministerium will man dazu nichts sagen. Eine Sprecherin von Klitschko bestätigt den Termin.

Vitali Klitschko (42), im Ring als "Dr. Eisenfaust" bekannt, ist in mehreren Boxverbänden Weltmeister im Schwergewicht und hat fast 90 Prozent seiner Kämpfe durch Knock-out gewonnen. Passend dazu der Name seiner 2010 gegründeten ukrainischen Oppositionspartei: "Schlag". Für die Präsidentschaftswahl 2015 liegt Klitschko in Meinungsumfragen erstmals vorne.

Mediale Volltreffer

Der Sinn dieses Promitreffens in Wahlkampfzeiten: die Eroberung der Titelseiten. Deswegen werden sich Spindelegger und Klitschko umringt von Fotografen und Kameras in eindeutige Posen werfen, um mediale Volltreffer zu landen. Damit hat nun auch der ÖVP-Chef einen muskelbepackten Helden an seiner Seite, der sich im Schatten des Kanzlerduells einen Promifight mit Arnold Schwarzenegger liefert. Der kalifornische Ex-Gouverneur und "Action Hero" aus der Steiermark unterstützt SPÖ-Chef Werner Faymann. Schwarzenegger stattete dem Bundeskanzler vor zwei Wochen einen natürlich ganz "spontanen" Besuch ab und sagte zur Presse: "Ich gratuliere Werner für die großartige Arbeit." Ähnliche verbale Schulterhiebe für Spindelegger sind von Klitschko zu erwarten. Im Anschluss an das Treffen Faymanns mit der Steirischen Eiche waren Gespräche über Umweltschutz angesetzt, da Schwarzenegger in seiner Zeit als Gouverneur die schärfsten Klimaschutzgesetze der USA erließ.

Auch bei der halbtägigen Stippvisite von Klitschko soll es nicht nur um Show, sondern auch um Außenpolitik gehen. Denn Michael Spindelegger ist trotz Wahlkampfes immer noch Außenminister. Und die Ukraine hat gerade einen großen Schritt auf Europa zu gemacht. Am Mittwoch hat die Regierung einem Assoziierungsabkommen mit der EU zugestimmt. Das umfasst unter anderem eine Freihandelszone. Bedingung der EU: Die inhaftierte, gesundheitlich angeschlagene Oppositionsführerin, Julia Timoschenko, soll im Ausland behandelt werden dürfen.

Mitstreiter Timoschenkos

Timoschenko war eine der führenden Figuren der Demokratiebewegung "Orange Revolution". Diese startete 2004 mit dem Ziel, das Land, das politisch zwischen Russland und Europa eingekeilt ist, auf Westkurs zu bringen. Die Orange Revolution riss auch Klitschko mit, er kandidierte für den Bürgermeister von Kiew und landete bei der Wahl auf dem dritten Platz.

Doch die Orange Revolution scheiterte spektakulär. Das Land driftete unter Präsident Viktor Janukowitsch zurück in die politische Umarmung Russlands. Nun könnte mit dem EU-Assoziierungsabkommen das Pendel zurückschwingen. Russland hat dem Nachbarn Ukraine für den Fall der Unterzeichnung bereits mit verschärften Zollkontrollen gedroht. Der Kreml will Kiews Beitritt zu einer von Moskau dominierten Zollunion erzwingen.

Fraglich ist, wie sich Janukowitsch verhält. Scheitert der Vertrag, fordert Klitschko dessen Rücktritt. 2015 kann er bei der Präsidentschaftswahl direkt gegen Widersacher Janukowitsch in den Ring steigen. Dann kann die ÖVP bei der Wahl 2018 auf einen schlagkräftigen Präsidenten als Wahlkampfhelfer hoffen.