Brüssel. Je intensiver der Wahlkampf, umso mehr rücken sie in den Hintergrund. Denn die Dynamik einer Kampagne, die kein Parteistratege bis zum Schluss durchplanen kann, bringt kurz vor dem Urnengang oft derart spezielle Themen auf, dass diese in einen europäischen Kontext zu stellen, selbst ihnen schwerfällt - auch wenn dies eine ihrer Aufgaben wäre. Dennoch sind die österreichischen EU-Abgeordneten in unterschiedlicher Form in den Wahlkampf eingebunden: Sie halten Reden bei Veranstaltungen, begleiten Kampagnentouren, bringen sich in internen Parteisitzungen ein. Einige ihrer Namen - etwa jene der SPÖ-Europamandatare - finden sich auf den Wahllisten, wenn auch eher an hinten gereihter Stelle.

Doch welche Rolle spielt EU-Politik in der österreichischen Kampagne, wie viel Platz wird ihr in einem nationalen Wahlkampf eingeräumt? Ginge es nach den EU-Abgeordneten, könnte sie allemal größer sein. Am deutlichsten fasst es der FPÖ-Politiker Andreas Mölzer zusammen. "Wir ergehen uns in einer Nabelschau", sagt er zur "Wiener Zeitung". Die Kritik richtet er auch an seine eigene Partei - wenn auch in abgemilderter Form. Denn immerhin seien die Freiheitlichen die Einzigen, die sich des Themas annehmen, und zwar in einer kritischen Form, während die anderen Parteien es überhaupt meiden. Mölzer erklärt sich das so: "Die Eurokrise wurde vertagt, und nach der Wahl in Deutschland kocht sie wieder hoch." Es gebe derzeit also wenig Anlass, über die europäische Situation zu jubeln, "und deswegen tun es selbst die EU-euphorischen Parteien nicht".

Andere Gründe für die Zurückhaltung der Fraktionen führt Othmar Karas an. "Es ist bequemer", stellt der ÖVP-Abgeordnete und einer der Vizepräsidenten des EU-Parlaments fest. "Es ist leichter, der EU Schuld zuzuweisen, als über sie zu informieren." Dabei sei die Zukunft Österreichs mit jener der Gemeinschaft verbunden. Indem aber in einer nationalen Kampagne dieser Zusammenhang ausgeblendet werde, vergrößere sich die Entfernung zu Brüssel noch mehr. Und schon gar nicht betont werde, dass die Wahl auch ein indirektes Votum für die zweite Kammer der EU sei. Diese ist der sogenannte Rat, die Versammlung der jeweiligen Minister bis hin zu den Staats- und Regierungschefs der EU-Mitglieder. Wer also zuhause gewählt wird, fährt zu den Sitzungen nach Brüssel, um die Politik der Union mitzubestimmen.