Die ganz Kleinen

Vier ist wiederum die magische Zahl für BZÖ und NEOS. Die einen brauchen genau diese Prozentzahl, um im Nationalrat zu bleiben, die anderen, um dort beim Debüt einzuziehen. Das von Abspaltungen geschwächte Bündnis setzte ganz auf das freundliche Lächeln von Spitzenkandidat Josef Bucher und Randthemen wie Väterrechte und Tempo 150, die NEOS darauf, dass ÖVP- und Grün-affine Wähler gerne irgendetwas dazwischen haben könnten. Sollte es die hyperaktive pinke Truppe schaffen, hat sie das auch ihrem charismatischen Gönner Hans-Peter Haselsteiner zu verdanken, der überraschend nicht nur Geld, sondern zu guter Letzt auch sich selbst in die Wahlschlacht warf.

Das größte Problem für die NEOS war, dass entgegen vieler Prognosen selbst ernannter Meinungsmacher nicht die "neuen Medien" wie Facebook und Twitter dominierten, sondern der gute alte Fernseher die Wahlkampf-Musik machte. Dort waren freilich nur die schon im Nationalrat vertretenen Parteien breit repräsentiert, und das könnte sich angesichts der erstaunlich hohen Seherzahlen für die eine oder andere durchaus ausgezahlt haben. Bemerkung am Rande: Politik ferngesehen wird in Österreich noch immer im ORF, der die Privaten bei den Politiker-Schaukämpfen quotenmäßig um Längen abhängte, auch wenn qualitativ kaum ein Unterschied zu bemerken war.

Parlamentsluft

Abschließend ein Blick auf die Skurrilitäten des Wahlkampfs: Dass sich SPÖ und ÖVP gegenseitig unterstellten, Schwarz-Blau bzw. Rot-Grün zu planen, ist angesichts der Meinungsumfragen und der jeweiligen Präferenzen für nochmals Rot-Schwarz eher als Scherz abzuhaken. Lustiger fanden manche, dass Frank Stronach seinen 81-jährigen Oberkörper nackt einem Fotografen entgegenhielt und Heinz-Christian Strache sich bemüßigt fühlte, ein eigenes Badehosen-Foto nachzuschießen.

Wohl am Schrägsten war aber doch, dass sich Stronach mit Monika Lindner eine Galionsfigur aus dem Raiffeisen-Reich angelte, sie aber nur drei Tage später wieder vom Haken war, weil sich die ehemalige ORF-Generalin politisch missbraucht sah. Da die Stronach-Liste bereits eingereicht war, könnte Lindner im Herbst ungeachtet dessen parlamentarische Luft schnuppern, für welche Fraktion auch immer.