Wien. Eine große Koalition ist dann wirklich sinnvoll, wenn es darum geht, ein bedeutendes politisches Projekt auf breiter Ebene zu befördern. Der Staatsvertrag von 1955 war so ein Projekt. Oder der EU-Beitritt vierzig Jahre später. Manche finden auch, die Wirtschaftskrise, in der wir uns seit Jahren befinden, ist so ein Anlass, wo man besser die Kräfte bündelt. Vielleicht ist die große Koalition sogar als Dauerlösung sinnvoll - immerhin war es in 39 von 68 Jahren der Zweiten Republik die herrschende Regierungsform und Österreich steht eigentlich ganz gut da.

Im Malkasten sind alle Farbkombinationen möglich, im Nationalrat nicht. - © Wanzenböck/fotolia.com
Im Malkasten sind alle Farbkombinationen möglich, im Nationalrat nicht. - © Wanzenböck/fotolia.com

Dagegen gibt es allerdings berechtigte Einwände: Die große Koalition befördert Parteibuchwirtschaft und Klientelpolitik und hemmt die politische Innovation. Tatsächlich fanden die großen reformerischen Sprünge immer dann statt, wenn gerade keine große Koalition an der Macht war.

Nicht nur die politischen Mitbewerber wollen daher die absolute Mehrheit von SPÖ und ÖVP brechen, mittlerweile wächst auch in der Zivilgesellschaft der Widerstand. In sozialen Medien wird etwa Geld gesammelt, um Inserate gegen die große Koalition zu schalten. Trotzdem gilt sie als die wahrscheinlichste Variante, denn eine andere Zweierkoalition wird sich nach den aktuellen Umfragewerten wohl kaum ausgehen - wobei es auch für SPÖ und ÖVP schön langsam knapp wird mit den 50 Prozent, sodass von einer großen Koalition eigentlich längst nicht mehr gesprochen werden kann.

Was würden weitere fünf Jahre Rot-Schwarz bedeuten? Wahrscheinlich relativ wenig. Die Streitthemen blieben die gleichen, etwa Gesamtschule und Vermögenssteuern. Insgesamt würde das Land aber - unter den Rahmenbedingungen der ausklingenden Krise und des Budgetfahrplans, der 2016 ein Nulldefizit vorsieht - fahren wie bisher.

Was wären die Alternativen?

Die heimische Linke träumt seit Jahren von Rot-Grün, das seit 2010 auch in Wien regiert. Das ginge sich möglicherweise aus, wenn - was eine sehr optimistische Annahme ist - die SPÖ 28 Prozent bekommt, die Grünen 17 und BZÖ und Neos knapp an der 4-Prozent-Hürde scheitern. Programmatisch gäbe es sicher viele Überschneidungen, etwa im Bildungsbereich. Streitpunkte wären wohl die Bereiche Verkehr und Energie, auch beim Thema Ausländer dürften vor allem die roten Gewerkschafter die grünen Träume eher bremsen als beflügeln.