Wien. Österreich hat einen guten internationalen Ruf und ist eines der lebenswertesten Länder der Welt. Doch es bleibt keine Zeit mehr für Alpenromantik und Verklärung. Wer auch immer das Land in den kommenden fünf Jahren regieren wird, kann sich vor grundlegenden Reformen nicht drücken. Sonst schwimmt die Insel der Seligen davon.

Die "Wiener Zeitung" hat fünf entscheidende Teilbereiche genauer untersucht und beschreibt, wie das Land in fünf Jahren aussehen könnte. Das Szenario: Österreich ist 2018 klüger (Bildung), fitter (Wirtschaftsstandort), gerechter (Arbeitsmarkt, Pensionen, Soziales), gesünder (Gesundheit, Pflege) und demokratischer (Demokratiereform).

Vergessen Sie Skandinavien! 2018 blickt Europa auf Österreich. Hier wurde in den vergangenen fünf Jahren das Bildungssystem umgewälzt. Die Parteien haben ihre Ideologien über Bord geworfen und sind ganz pragmatisch an die wesentlichste Herausforderung für die Zukunft des Landes herangegangen.

Zwar ist das österreichische Bildungssystem noch immer teuer, aber durch völlige Umstrukturierung immerhin effizient. Die Zeiten, in denen ein Viertel der Schulabgänger nicht sinnerfassend lesen konnte, sind vorbei. Die soziale Selektion hat nachgelassen. Noch immer gibt es keinen Massenandrang der Mädchen in technische Berufe oder Studien, aber sie werden stetig mehr.

Schon im Kindergarten lernen die Kleinsten, dass ihnen alle Möglichkeiten offenstehen. Aus den "Tanten" in den Kindergärten wurden Begleiterinnen und Pädagoginnen. Seit 2015 gibt es an der Uni Graz eine Ausbildung zur Elementarpädagogin. Nach und nach werden Kindergärtnerinnen in die neue Pädagogenausbildung integriert. In jedem Kindergarten ist zumindest eine ausgebildete Elementarpädagogin. Damit nähert sich Österreich den internationalen Standards an.

Recht auf Kindergartenplatz

In Vorarlberg wurden Kinder erst ab vier Jahren im Kindergarten aufgenommen? Daran kann man sich kaum noch erinnern. In den Ausbau von Kindergärten und Kinderkrippen wurde massiv investiert, die Öffnungszeiten sind an gesellschaftliche Notwendigkeiten angepasst. In der Regel sind die Kinder spätestens ab dem dritten Jahr im Kindergarten. Die Debatte um Deutschkenntnisse vor dem Schuleintritt ist abgeflaut, da Kinder bereits von klein auf in ihrer Muttersprache sowie in Deutsch gefördert wurden. Ermöglicht hat das die Erhöhung des Betreuungsschlüssels, den die OECD zuvor in Österreich als sehr gering eingemahnt hatte.