Auch der Lehrberuf steckt mitten in einem Wandlungsprozess: Die Lehrverpflichtung wurde angehoben, im Gegenzug wurde in die Infrastruktur und die Entbürokratisierung investiert. Es gibt ausreichend psychologisches Unterstützungspersonal, Team-Teaching ist die Regel.

Direktoren suchen Teams

Die Schulen genießen mehr Autonomie als je zuvor, die Direktoren können ihr Lehrerteam aussuchen und sind nicht mehr Marionetten von Landes- und Stadtschulräten. Die Schulen treten miteinander in einen positiven Wettbewerb.

Es gibt immer mehr Ganztagsschulen. Eltern schätzen, dass hier mehrere Lehrer pro Klasse auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen können. Die Schulen werben mit speziellen Angeboten um Kinder. Offener, projektorientierter Unterricht anstatt 50-Minuten-Takt und Frontalunterricht: Schule ist kein Ort mehr, von dem alle - Lehrer wie Schüler - so schnell wie möglich fliehen, sondern ein Ort, an dem sie sich gerne aufhalten. Kindern vergeht nicht bereits in den ersten Jahren die Lust am Lernen.

Obwohl standardisierte Tests nach wie vor verbreitet sind, wird mit diesen Testergebnissen verantwortungsvoll umgegangen: Der Fokus liegt auf der Stärkung der Stärken, auf Schwächen beim Lesen und Rechnen wird frühzeitig reagiert. Die neue Lehrerausbildung zeigt Wirkung: Lehrer von Volksschulen und Sekundarstufen I und II begegnen einander auf Augenhöhe. Das duale Ausbildungssystem, das bisher vorrangig von anderen Ländern als Heilmittel gegen Jugendarbeitslosigkeit angesehen wurde, genießt auch in Österreich hohe Anerkennung.

Weil - aufgrund der Neuen Mittelschule oder einer Gesamtschule - die Jugendlichen ohnehin bis zum 14. oder 15. Lebensjahr die Schulbank gemeinsam drücken, wird die Kluft zwischen Lehre und Matura schmäler. Damit verringert sich gleichzeitig der gesellschaftliche Abstand zwischen den Gruppen. Die Lehre mit Matura wird von immer mehr Lehrlingen angestrebt; sie wird vonseiten der Lehrstellen gern gesehen und unterstützt.

Reife, mündige Bürger

Österreich, das Land der Akademiker: 2018 gibt es in Österreich mehr Uni- und Fachhochschul-
absolventen als je zuvor, die Zahl der Studienabbrecher ist zurückgegangen. Dass das Umfeld härter geworden ist, bemerken Studienanfänger jedoch schon zu Beginn: Eignungstests sind Usus, nur so können die Universitäten Studienplätze, die diese Bezeichnung auch wirklich verdienen, gewährleisten.

Auf dem Hochschulsektor hat eine starke Differenzierung stattgefunden: Es gibt renommierte Uni-Standorte, an denen die Studierenden gute Betreuungsverhältnisse vorfinden und nicht um Sitzplätze kämpfen müssen. Die Universitäten bestimmen autonom über Studiengebühren oder Zulassungsbestimmungen. Begleitend dazu gibt es ein Stipendiensystem, das jene unterstützt, die es benötigen.

Die Aufwertung der Uni-Standorte ermöglicht eine Rückkehr zum ursprünglichen Bildungsbegriff, bei dem es um mehr geht als um die Verwertbarkeit des Studiums am Arbeitsmarkt. An den Hochschulen findet ein kritischer Diskurs statt, ohne dass sich Wissenschafter in ihren Elfenbeintürmen verschanzen; junge Menschen werden so zu mündigen, reifen Bürgern - und bilden damit die Basis für ein fitteres, gerechteres, gesünderes und demokratischeres Österreich.