Wien. Fast 6,4 Millionen Österreicher sind heute aufgerufen, den Nationalrat für die kommenden fünf Jahre zu wählen und damit die Weichen für die nächste Regierung zu stellen. Um die 183 Mandate bewerben sich landesweit neun Parteien - neben den Parlamentsparteien SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne, BZÖ und Team Stronach sind dies die NEOS, die KPÖ und die Piraten.

Seit 8.00 Uhr haben fast 11.000 Wahllokale geöffnet. Geht es nach dem Wetter, müsste es eine recht hohe Wahlbeteiligung geben. Denn laut einer Statistik der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gehen an Schlechtwettertagen eher mehr Wahlberechtigte zu den Urnen als bei Sonnenschein. Und die Prognose lässt einen eher trüben und kühlen Wahltag mit nur wenigen Sonnenfenstern erwarten.

Sonnenstunden senken die Wahlbeteiligung
Seit 1994 jedenfalls gilt, dass bei Nationalratswahlen jede Sonnenstunde am Wahltag die Wahlbeteiligung um 0,6 Prozentpunkte verringert hat, wie die ZAMG berechnete. Bei der vorigen Wahl 2008 - einem 28. September mit viel Sonnenschein - blieb die Wahlbeteiligung (mit 78,82 Prozent) zum zweiten Mal in der Zweiten Republik unter der 80-Prozent-Marke. Unter diese war sie erstmals 2006 gefallen, bei schönem Herbstwetter am 1. Oktober.

Erste Berichte aus den Bundesländern und aus Wien deuten darauf hin, dass die Wahlbeteiligung diesmal ähnlich niedrig ausfallen könnte. In der Bundeshauptstadt Wien lag die Wahlbeteiligung um 10.00 Uhr bei 11,46 Prozent, wie die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger am Sonntagvormittag mitteilte. Das ist ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2008. Damals belief sich die Beteiligung um die selbe Zeit auf 13,58 Prozent.

Reges Interesse an Wahlkarten
Für heuer zeigte sich zumindest an den Wahlkarten und bei den Briefwählern ein recht großes Interesse an der Kür der 183 Nationalratsabgeordneten. Die Zahl der angeforderten Wahlkarten ist mit 14,02 Prozent deutlich stärker gestiegen als die der Wahlberechtigten (0,81 Prozent). Etwas mehr als zehn Prozent der Wahlberechtigten (668.658) haben Wahlkarten angefordert. Und bis Freitagnachmittag waren in manchen Landeshauptstädten schon über 80 Prozent der angeforderten Wahlkarten retourniert.

Alle Briefwahlstimmen müssen übrigens bis Sonntag 17 Uhr bei den Bezirkswahlbehörden einlangen. Was für die meisten Briefwähler de facto Freitag bedeutete - nur in Wien und Graz stellte die Post bis 10.00 Uhr eingeworfene Wahlkarten auch am Sonntag noch zu.

Setzt sich die Talfahrt der Großparteien fort?
Keine Aussage machen die Statistiken freilich über den Wahlausgang. Die Koalitionspartner SPÖ und ÖVP könnten erstmals unter 50 Prozent fallen und die Mandatsmehrheit verlieren. Offen ist auch der Wiedereinzug des BZÖ ins Parlament – in den Umfragen steht es eher schlecht für die Orangen. Die Freiheitlichen wollten der Volkspartei wiederum Rang zwei abjagen, mit dem Team Stronach und den NEOS peilen zwei Parteien gleich beim ersten Antritt das Überspringen der 4-Prozent-Hürde an.

Bei der Nationalratswahl 2008 lag jedenfalls die SPÖ trotz heftiger Verluste und einem historischen Tiefststand von 29,26 Prozent auf Platz 1. Die ÖVP rutschte so tief ab wie nie: 25,98 Prozent bedeuteten dennoch den zweiten Rang. Die FPÖ legte kräftig zu und kam auf 17,54 Prozent und das BZÖ überraschte damals mit starken Zuwächsen mit 10,7 Prozent und Platz vier. Die Grünen kamen mit leichten Verlusten auf 10,43 Prozent.

Nicht angetreten waren damals das neue Team Stronach sowie die neu gegründete Partei NEOS, die heuer - ebenso wie die Piraten - erstmals ihr Glück bei der Nationalratswahl versuchen. Die KPÖ hingegen hatte auch 2008 kandidiert und erreichte 0,76 Prozent.

Letzte Wahlkarten werden am Donnerstag ausgezählt
Die rund 6,4 Millionen Wahlberechtigten haben bis zum Nachmittag Zeit für ihre Stimmabgabe, die letzten Wahllokale schließen um 17.00 Uhr, in Wien haben alle so lange geöffnet. Ab dann werden erste Hochrechnungen veröffentlicht. Mit dem vorläufigen Endergebnis ist zwischen 19.30 Uhr und 20 Uhr zu rechnen. Nicht ausgezählt werden am Wahlsonntag die Briefwahlstimmen sowie die Wahlkarten aus fremden Wahlkreisen. Erstere werden am Montag ausgewertet, die Wahlkarten am Donnerstag.