Wien. Vier Faktoren haben den Nationalratswahlen 2013 (Stand Hochrechnung 18 Uhr) ihren Stempel aufgedrückt:

Erstens, Österreichs Politik wird bunter - oder komplizierter, je nach Standpunkt eben. Erstmals seit den Grünen 1986 schaffte am Sonntag mit den Neos wieder eine neu gegründete Partei von außen den Sprung in den Nationalrat. Parteichef Matthias Strolz gelang mithilfe eines Bündnisses mit dem Liberalen Forum und dem Geld von Bau-Tycoon Heinz-Peter Haselsteiner eine veritable Überraschung.

Zweitens, der Fortbestand einer gemeinsamen Regierungsmehrheit von SPÖ und ÖVP. Realpolitisch betrachtet ist dies wohl das wichtigste Ergebnis dieser Nationalratswahl, da SPÖ und ÖVP aller Voraussicht nach ihre bestehende Regierungszusammenarbeit auch künftig fortsetzen werden. Die große und vor den Wahlen durchaus als reale Möglichkeit erscheinende Zäsur ist also ausgeblieben. Der Verlust einer gemeinsamen Mehrheit für SPÖ und ÖVP hätte die politische Landschaft wohl grundlegend verändert und völlig neue Konstellationen nach sich gezogen.

Drittens, die Fortsetzung des Wiederaufstiegs der FPÖ unter Heinz-Christian Strache. Mit rund 21 Prozent verfehlten die Freiheitlichen nur denkbar knapp Platz zwei; der Absturz des zweiten politischen Quereinsteigers Frank Stronach mit zunehmender Dauer des Wahlkampfs machte die FPÖ wieder zum Sammelbecken für das Gros der von SPÖ und ÖVP frustrierten Wähler. Besonders deutlich hat sich das etwa in der Steiermark gezeigt, wo die Freiheitlichen laut Hochrechnung sogar zur stärksten Partei vor SPÖ und ÖVP wurden. Dabei gilt die rot-schwarze "Reformpartnerschaft" im Land vielen Beobachtern als vorbildhaft.

Viertens, der Absturz der Wahlbeteiligung. Obwohl mit dem Team Stronach und den Neos zwei aussichtsreiche neue Parteien auf den Wahlzetteln aufschienen, obwohl die TV-Anstalten die Wahl mit einem Duell-Marathon und zusätzlichen neuen Formaten begleiteten, erreichte die Wahlbeteiligung einen neuen Tiefstwert. Lag diese bis 2002 beständig über 80 Prozent, sank sie 2006 und 2008 jeweils auf rund 78 Prozent. Am Sonntag gingen - ohne Wahlkarten wohlgemerkt - nur noch knapp 66 Prozent zur Urne.

Geschwächt, aber stark genug für Rot-Schwarz