Wien. Freilich, das vorläufige Endergebnis der heurigen Nationalratswahl von 11,5 Prozent ist das beste, das die Grünen jemals erzielt haben - und dennoch ist es schlechter als erwartet: Die 15-Prozent-Marke wurde nicht geknackt. Im Gegensatz zur FPÖ, die von 17,54 Prozent im Jahr 2008 heuer massiv zulegte und die 20-Prozent-Marke sprengte, ist der Anstieg der Grünen von 10,43 Prozent 2008 minimal. "Wir hätten uns mehr erhofft", sagte Bundessprecherin Eva Glawischnig in der Wahlkampfzentrale der Grünen im Wiener Museumsquartier am Sonntagabend.

Die günstige Themenlage und der intensive Wahlkampf hatten sie vermutlich auf ein besseres Ergebnis hoffen lassen: Mit dem Schwerpunkt Antikorruption versuchten Glawischnig und Mitstreiter, die bei den Landtagswahlen in Salzburg und Kärnten erzielten Erfolge auf Bundesebene weiterzuziehen. Die Grüne Gabriela Moser leitete den Korruptions-U-Ausschuss. Dazwischen kam allerdings die flotte Kampagne der Neos, die ebenso wie die Grünen als Sauberleute durchgingen und ein ähnliches Wählerpotenzial ansprachen. Gleich elf Prozent der Grün-Wähler von 2008 entschieden sich diesmal für Pink.

In Wien, wo die Grünen seit 2010 mitregieren und mit Parkpickerl-Ausweitung, Fußgängerzone auf der Mariahilfer Straße und günstiger Wiener-Linien-Jahreskarte ihre Kernwähler zu bedienen versuchten, konnten sie nicht dazugewinnen.

Ein noch größerer Wermutstropfen als das Verpassen der 15 Prozent ist vermutlich für Glawischnig, dass der Wählerwille zwei logische Koalitionsoptionen hinterlässt: entweder erneut Rot-Schwarz oder eine Zusammenarbeit von ÖVP, FPÖ und Team Stronach. Allenfalls ginge auch schwarz-blau-pink - die Grünen werden jedenfalls weiterhin die Oppositionspartei stellen müssen.

Glawischnig hatte nach dem Minus bei den Nationalratswahlen 2008, das den Rücktritt Alexander Van der Bellens zur Folge hatte, die Partei retten sollen. Wirklich gelungen ist ihr das nicht. Links der Mitte scheint wenig zu holen zu sein.