"Wiener Zeitung" (pech): Wie sinnvoll ist die Fortsetzung der großen Koalition nach diesem neuerlichen Absturz?

Thomas Hofer: Das Ganze riecht nach Mangelverwaltung. 2006 hatten SPÖ und ÖVP zusammen noch 70 Prozent, jetzt sind sie bei 50 Prozent. Das zeigt die Dynamik nach unten und auch die Dramatik, dass beide verlieren. Besonders bitter ist, dass SPÖ und ÖVP gerade dort, wo Reformen eingeleitet wurden, besonders abgestraft wurden - siehe Steiermark. Wenn die große Koalition jetzt fortgesetzt wird, wird 2018 zu einer donnernden Wand.

Die Neos scheinen der ÖVP schwer geschadet zu haben. Wie muss die Volkspartei darauf reagieren?

Nach außen ist nicht viel passiert, aber nach innen. Die Funktionäre der ÖVP hätten merken müssen, dass es Junge gibt, die mehr wollen. Sie hätten Persönlichkeiten wie Matthias Strolz im Boot halten müssen. Die ÖVP ist zu sehr in den Zwängen von Länder- und Bündewünschen gefangen und hat das große Ganze aus den Augen verloren. Bei der SPÖ wiederum ist eine große Mobilisierungsschwäche zu bemerken.

Wie sehr hat Frank Stronach die Wahl beeinflusst?

Er hat einen Showdown zwischen ÖVP und FPÖ verhindert, ohne ihn wäre die FPÖ auf Augenhöhe mit der SPÖ. Aber Stronach hätte mehr erreichen können, hätte er seine Kompetenzen als Wirtschaftskapitän ausgespielt. Das hätte auch der ÖVP wehgetan.

Hat Michael Spindelegger verabsäumt, einen Wirtschaftsprofi an seine Seite zu holen?

Der ÖVP ist die mangelnde Betonung der Wirtschaftskompetenzen auf den Kopf gefallen.