Wien. Es gab zwar keine Abstrafung für das rot-grüne Wien, aber leichte Verluste mussten beide Parteien hinnehmen. Der größte Verlierer der Nationalratswahl auf Wiener Ebene war definitiv die ÖVP: In allen traditionell schwarz gefärbten Bezirken gab es Verluste mit mehr als 6 Prozentpunkten. Und in fast allen Fällen fiel der Verlust zugunsten der Neos aus, die in nicht weniger als neun Bezirken die 10-Prozent-Grenze überschritten haben. Die zwei härtesten Schläge musste die ÖVP im 1. Bezirk mit einem Minus von 11,3 Prozent einstecken. Und im 19. Bezirk wurde die ÖVP sogar von der SPÖ überholt.

Wiens ÖVP-Chef Manfred Juraczka räumte zwar gegenüber der "Wiener Zeitung" eine Niederlage in Wien ein - "große Wahlsiege sehen anders aus, da haben Sie natürlich recht". Er fand aber dennoch Worte, um das Wiener Ergebnis in ein positives Licht zu rücken: "Bei knapp 8 Prozent Neos sind 14,5 Prozent für die ÖVP durchaus respektabel. Vor allem, wenn man sich die Ergebnisse in der Steiermark ansieht", erklärte er. Und: "Die linke, rot-grüne Stadtregierung ist erstmals unter 50 Prozent. Auch das ist ein Zeichen." Den Grund für das schlechte Abschneiden sieht Juraczka vor allem "im Überangebot des vermeintlich bürgerlichen Lagers". Aber immerhin hat seine Partei ein Ergebnis geschafft, das über jenem von der Wienwahl 2010 liegt. "Und damals gab es weder das Team Stronach noch die Neos", betonte der Politiker. Ohne Neos hätte die ÖVP auf Bundesebene sogar Platz 1 erreicht, zeigte sich Juraczka überzeugt. Die Neos haben seinen Angaben zufolge das bürgerliche Lager aufgesplittert. "Ob man damit sozialdemokratische Politik zurückdrängen kann, ist mehr als dahingestellt."

Leichte Verluste mussten sowohl Maria Vassilakou als auch Michael Häupl hinnehmen. - © apa
Leichte Verluste mussten sowohl Maria Vassilakou als auch Michael Häupl hinnehmen. - © apa

Die ÖVP-Spitzenkandidaten für Wien, Brigitte Jank und Sebastian Kurz seien auf jeden Fall nicht verantwortlich für das schlechte Abschneiden der ÖVP - im Gegenteil: Dank ihnen sei es vielmehr gelungen, bessere Ergebnisse einzufahren als in anderen Bundesländern, meinte Juraczka.

ÖVP will an der Kommunikation arbeiten

Jank zeigte sich da schon ein wenig kritischer. Das Wiener Gesamtergebnis sei eines, das man sich weder erwünscht noch erhofft habe. Angesichts des breiten bürgerlichen Angebotes sei es allerdings "respektabel" ausgefallen - und als Auftrag zu verstehen: "Und zwar als Auftrag, Dinge rascher und umsetzungsorientierter voranzutreiben. Das muss einfach extrem besser werden", betonte Jank. Als Beispiel nannte die Spitzenkandidatin Themen der Bundespolitik, nämlich Bildungs- und Verwaltungsreform.