Wien. Die beiden Koalitionsparteien halten ihre Stimmen- und Mandatsmehrheit – wenn auch mit teils herben Verlusten. Die SPÖ kann ihren ersten Platz verteidigen, im Kampf um Platz zwei behält die ÖVP gegenüber der FPÖ knapp die Nase vorne. Eine Sensation lieferten die Neos: Die neue Partei schafft voraussichtlich den Einzug ins Parlament, ebenso das Team Stronach. Das BZÖ dagegen steht vor dem Aus als Parlamentspartei.

Historischer Tiefstand für die SPÖ
Die Sozialdemokraten kommen nach dem vorläufigen Endergebnis (ohne Briefwahl-Stimmen) auf 27,1 Prozent, was nach 2008 (29,26) ein Minus von rund 2,16 Prozentpunkten und einen neuerlichen historischen Tiefststand bedeutet. Die ÖVP liegt bei rund 23,81 Prozent (2008: 25,98, -2,17) und damit vor der FPÖ mit 21,4 Prozent (2008: 17,54, +3,86).

Die Grünen legen zu, Stronach schafft Einzug
Die Grünen erreichen diesmal 11,46 Prozent (2008: 10,43, +1,03). Das Team Stronach schafft zwar mit 5,79 Prozent den Einzug in den Nationalrat, liegt aber deutlich unter den erhofften Ergebnissen und auch unter jenen der Landtagswahlen in Kärnten, Salzburg und Niederösterreich.

BZÖ knapp unter der 4-Prozent-Hürde
Gescheitert sein dürfte das BZÖ, das mit 3,63 Prozent die Vier-Prozent-Hürde knapp verpasst. Gegenüber 2008 bedeutet das Ergebnis den erwarteten großen Stimmenverlust. Damals hatte das Bündnis noch 10,7 Prozent erreicht. Im Gegensatz dazu schaffen die Neos mit 4,8 Prozent auf Anhieb den Sprung ins Hohe Haus.

Mandatsmehrheit für die Große Koalition

Laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis der Nationalratswahl vom Sonntag haben SPÖ und ÖVP künftig gemeinsam eine Mandatsmehrheit von 99 Abgeordneten im 183 Sitze starken Parlament. Die SPÖ hält demnach künftig bei 53 Mandaten (ein Minus von vier Sitzen gegenüber 2008), die ÖVP bei 46. Die Volkspartei entsendet damit fünf Abgeordnete weniger als bisher.

Die FPÖ kommt laut vorläufigem Endergebnis auf 42 Sitze - gegenüber 2008 ein Plus von acht Sitzen. Auch der Grüne Parlamentsklub wird größer - künftig wird dieser 22 Sitze stark sein (bisher 20). Das Team Stronach entsendet laut vorläufigem Endergebnis elf Mandatare ins Hohe Haus. Und die Liste NEOS wird neun Abgeordnete zählen.

Im vorläufigen Endergebnis noch nicht enthalten sind die wahlkreisfremden Wahlkarten sowie die Briefwahlstimmen. Erstere werden am Montag ausgezählt, die Briefwahlstimmen am Donnerstag nach der Wahl. Beide können das Ergebnis noch geringfügig beeinflussen. Bei den Mandaten werden laut Briefwahlprognosen von SORA/ORF und ARGE Wahlen auch noch Mandate zwischen den Parteien wandern.

Nach der letzten Hochrechnung der ARGE Wahlen, die Briefstimmen berücksichtigte, ist eine andere Mandatsverteilung wahrscheinlich: 52 Sitze (-5) für die SPÖ, 47 (-4) für die ÖVP. Die FPÖ kommt auf 40 Sitze (+6), die Grünen auf 24 Mandate (+4). Das Team Stronach ist demnach mit elf Mandataren (+6) im Hohen Haus vertreten, die NEOS mit neun.

Steiermark: FPÖ auf Platz 1, Stronach stark
In der Steiermark gibt es mit der FPÖ einen klaren Wahlsieger: Die Blauen haben mehr als acht Prozentpunkte dazugewonnen und erreichen mit knapp 26 Prozent der Stimmen den ersten Platz vor der SPÖ. Sie verlor knapp sechs Prozentpunkte und kommt auf nur mehr 23,5 Prozent. Gleich starke Verluste wie die SPÖ erleidet die ÖVP, die mit einem Minus von sechs Prozentpunkten auf nur mehr rund 20 Prozent kommt.

Auf Rang vier liegen die Grünen und das Team Stronach mit je rund zehn Prozent der Stimmen. Das Team Stronach erreicht im Heimatbundesland von Parteigründer Frank Stronach eine fast doppelt so hohe Zustimmung wie im Bundesschnitt. Die Grünen dürfen sich über ein Plus von rund 1,5 Prozentpunkten. Das BZÖ liegt im bundesweiten Schnitt und dürfte auf knapp vier Prozent der Stimmen kommen (2008: 13,2) - ein Minus von fast zehn Prozentpunkten.

Die Wahlbeteiligung liegt bei knapp 66 Prozent liegen (ohne Wahlkarten).