Wien. Ein Facebook-Posting von Montag: "Hm. so, wie’s aussieht, war das Dauerthema Mariahilfer Straße voll wahlentscheidend . . ." Und: "Wahrscheinlich konnten die Leute wegen der Mahü nicht mehr mit dem Auto zum Wahllokal fahren."

Ironisch oder ernst gemeint - eigentlich treffen beide Varianten zu. Zum einen, weil auf Stadtebene der grünen Verkehrspolitik offensichtlich keine Absage erteilt wurde. Im Gegenteil: Die Wiener ÖVP hat mit ihrem harten Kurs gegen die Verkehrsberuhigung in der Mariahilfer Straße in den Anrainerbezirken einen veritablen Bauchfleck hingelegt: In Mariahilf kam die ÖVP auf 15,52 Prozent, was gegenüber 2008 ein Minus von 5,3 Prozent bedeutet. Und in Neubau erreichte sie 13,98 Prozent (minus 4,77 Prozent). Es bleibt also alles grün um die Einkaufsstraße herum. Aber nicht nur das: Die Grünen haben es sogar geschafft, der ÖVP in Währing den ersten Platz streitig zu machen.

Auf der anderen Seite dürfte die grüne Verkehrspolitik in Wien sehr wohl negative Auswirkungen auf das Abschneiden der Grünen auf Bundesebene gehabt haben, wie Meinungsforscher Peter Ulram der "Wiener Zeitung" erklärt. Denn das Thema Mariahilfer Straße habe seinen Weg sogar bis nach Tirol gefunden und den Bundesgrünen mehr geschadet als genutzt, erklärt der Experte.

Die Grünen haben - abgesehen von situationsbezogenen Protestwählern - laut Studien aus den 1990er Jahren innerhalb der Wählerschaft zwei nachweisbare Lager: einen alternativ orientierte Flügel und tatsächlich auch eine wirtschaftsliberal ausgerichtete Gruppe, die zumindest Ende der 1990er Jahre gut 30 Prozent der Grünwählerschaft ausmachte. "Diese Wähler sind nun wirklich enttäuscht worden. Und mit den Neos haben sie plötzlich eine Alternative, die nicht zu den traditionellen Parteien gehört", sagt Ulram. Dazu sei noch gekommen, dass die Neos gerade von ÖVP und Grünen völlig ignoriert wurden, obwohl diese offensichtlich in ihrer Wählerschaft "gegrast" haben. "Und beide haben entsprechend abgebissen."

Wahlausgang in Wien als Abstrafung für die Grünen

Ob ein anderer Zeitpunkt für die Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße den Grünen geholfen hätte? "Natürlich, die Grünen hätten bundesweit deutlich besser abschneiden können. Sie haben sich ja auch selbst ein ganz anderes Ziel gesetzt", meint Ulram.