Wien. Die Zukunft der Wiener ÖVP sieht schwarz aus. Richtig schwarz. Davon ist Meinungsforscher Peter Hajek überzeugt: "Die ÖVP kann ihren Niedergang fast nicht mehr aufhalten." 13,42 Prozent der Wiener gaben der ÖVP bei den diesjährigen Nationalratswahlen ihre Stimme. Es ist ihr historisch schlechtestes Ergebnis in der Bundeshauptstadt.

Was ist passiert? Wo sind die einstigen Vertreter des traditionellen Bürgertums? "Die Bürgerlichen in der Stadt - sofern es sie noch gibt - die wählen heute Grün und Neos und nicht mehr die ÖVP", sagt Hajek. Das bürgerliche Umfeld sei zu beiden Seiten abgesteckt. Zur Linken hätten die Grünen das Feld abgegrast, sogar bald auch bei den Kirchgehern, von denen immer mehr Eva Glawischnig und Co. ihre Stimme geben würden. Und zur wirtschaftsliberalen Rechten saugen ihnen die Neos das Klientel weg. "Die ÖVP ist auf einem defensiven Rückzugsgefecht. Sie ist nur mehr trendy für alle jene, die gerne in der Stadt Lederhosen tragen", meint Hajek.

Dabei sah die Zukunft der Wiener ÖVP in den vergangenen Jahren recht vielversprechend aus. Als Manfred Juraczka 2011 die Partei von seiner Vorgängerin Christine Marek übernahm, holte er Wiens Konservative aus dem Tiefschlaf. Der einstige stellvertretende Hernalser Bezirksvorsteher setzte auf Kampagnen. Und zwar auf große Kampagnen. In Währing machte man Stimmung gegen das Parkpickerl. Und mobilisierte damit die schwarze Kernklientel. Mit Erfolg. Das Parkpickerl kam nicht, für die rot-grüne Politik gab es eine "schallende Ohrfeige" wie der ÖVP-Bezirksvorsteher Karl Homole medienwirksam verkündete.

Mit der Fußgängerzone auf der Mariahilfer Straße konnte die Stadtregierung Juraczka und seinem Team kein größeres Vorwahlgeschenk machen: Eine kontroversielle Fußgängerzone inmitten Wiens, war eine dankbare Zielscheibe für jede Opposition. Wochenlang machte die ÖVP gemeinsam mit der FPÖ mobil gegen das vermeintliche "Fiasko" im 6. und 7. Bezirk.

ÖVP muss komplett neu erfunden werden

"Juraczka hat die Partei durchaus stabilisiert und ihr einen neuen Anstrich verpasst. Doch die Partei lebt von der Reaktion und nicht von der Aktion. Sie lebt davon, was die Grünen gerade bringen", analysiert Hajek. Das sei aber viel zu wenig: "In Wirklichkeit muss Juraczka die Partei komplett neu erfinden." Vor allem in Hinblick auf die Neos.