Fertig machen für den TV-Auftritt. Fast täglich müssen Kandidaten wie Heinz-Christian Strache ihre Botschaften predigen. - © apa/Neubauer
Fertig machen für den TV-Auftritt. Fast täglich müssen Kandidaten wie Heinz-Christian Strache ihre Botschaften predigen. - © apa/Neubauer

Wien. Es war nur ein kurzer Moment, aber er könnte ausgereicht haben, um das Wahlergebnis entscheidend zu beeinflussen. Es war der Moment in der ORF-Sendung "Wahlfahrt", als Frank Stronach über den "geplanten Berufsmord" sinnierte. Und plötzlich: "Todesstrafe". Dass das Team Stronach ein paar Wochen später ein mageres Ergebnis einfuhr, erklärten einige Unterstützer mit genau diesem Moment. Ob’s zutrifft oder nicht- Einigkeit herrscht, dass es ein Fehler war.

Es war nicht Stronachs einziges Interview, im Wahlkampf stehen alle Kandidaten unter permanenter medialer Beobachtung, täglich gibt es bis zu zehn Interviews, dazu kommen Wahlkampfauftritte, bei denen ebenfalls Journalisten dabei sind. Nur im Auto, wenn von Termin zu Termin gehetzt wird, gibt es ein wenig Privatheit - es sei denn, ORF-Journalist Hanno Settele sitzt am Steuer.

In Österreich versuchen nach wie vor alle Kandidaten (fast) alle Medien zu bedienen, auch wenn deren Anzahl deutlich zugenommen hat. Es geht sich zwar noch aus, aber gerade noch, wie Reinhard Pickl-Herk, Sprecher der grünen Parteichefin Eva Glawischnig, sagt: "Viel mehr kann es nicht mehr werden."

Sehr aufwendig sind vor allem TV-Auftritte. Sie sind live, der Druck, Fehler zu machen, ist noch deutlich größer, die Vorbereitung darauf dauert. "TV-Duelle sind die Königsdisziplin", sagt Pickl-Herk.

Heuer hat es für alle Kandidaten ein zusätzliches Duell auf ORF gegeben, dazu kamen Einzelauftritte bei Puls4. Inklusive aller regionalen Privatstationen und Landesstudio-Interviews kamen die Spitzenkandidaten auf bis zu 30 große TV-Auftritte und ähnlich viele Radio- und Zeitungs-Interviews sowie einige Chats für Webseiten.

Gegenseitiges Lizitieren

Im Vergleich zu 2008 sei die Belastung zwar nicht "dramatisch gestiegen", wie Pickl-Herk anmerkt, das Niveau war allerdings schon vor fünf Jahren sehr hoch. Karl-Heinz Grünsteidl, Sprecher von FPÖ-Chef Strache, waren die Medientermine "so häufig und intensiv wie noch nie".

Die vielen Medienkontakte sind einerseits wichtig, um die eigenen Botschaften möglichst oft und breit in die Öffentlichkeit zu bringen, andererseits steigt die Gefahr, irgendwann einen fatalen Satz zu sagen, der mehr zerstören kann als in vorherigen Auftritten zuvor Positives aufgebaut wurde.

"Botschaftskontrolle ist im Wahlkampf ganz zentral", sagt Politikberater Thomas Hofer. Dass der Druck auf die Kandidaten extrem ist und noch größer wird, glaubt auch Hofer. "Es gibt ein gegenseitiges Lizitieren." Auf sozialen Netzwerken werden Fehler der Kandidaten seziert, dazu kommt der Druck, dass auch die Politiker diese neuen Medien nutzen müssen. "Seriöserweise ist das aber nicht alleine zu bespielen", sagt Hofer.