Wien. Mit einer Nationalratswahl enden immer auch politische Karrieren. Die einen angekündigt, andere abrupt. Manche plötzliche Ex-Politiker stehen dann vor dem beruflichen Nichts. Allerdings gewährt ihnen das Gesetz eine politische Galgenfrist namens Bezugsfortzahlung.

Günter Stummvoll und Karl Öllinger waren nicht nur als Politiker völlig konträre Figuren, auch das Ende ihres Politikerdaseins gestaltet sich gänzlich anders. Der langjährige ÖVP-Finanzsprecher Stummvoll sitzt seit 1980 im Parlament. Knapp vier Jahre lang war er Staatssekretär. Vor bald einem Jahr kündigte er an, mit dem Ende der Legislaturperiode aus dem Nationalrat auszuscheiden. Freiwillig. Finanziell ändert sich für ihn dabei nichts, denn schon jetzt bezieht er nicht ein Abgeordnetengehalt, sondern die höhere Pension als Staatssekretär.

Auch Grünen-Sozialsprecher Karl Öllinger ist seit einer gefühlten Ewigkeit im Nationalrat. Seit 1994. Auch sein politisches Ende zeichnete sich vor gut einem Jahr ab, als er bei der Erstellung der grünen Wahllisten auf einen unwählbaren Listenplatz gesetzt wurde. Vergeblich hatte er mittels Vorzugsstimmenwahlkampf um seinen Sessel gekämpft. Nun blickt Öllinger einer unsicheren Zukunft entgegen. Mit 63 ist er noch zu jung für die Pension. Ein Rückkehrrecht in seinen Prä-Parlaments-Job - er war Lektor bei einem Verlag - hat er nicht.

Bis sich der neue Nationalrat am 29. Oktober konstituiert, ist Öllinger noch Abgeordneter - mit den entsprechenden Bezügen. Doch auch dann muss er noch nicht um Arbeitslosengeld ansuchen. Für Mitglieder der Bundesregierung, des Nationalrats und des Bundesrats sieht das Bundesbezügegesetz eine Fortzahlung der Bezüge vor. Einfache Mandatare bekommen drei Monate lang 75 Prozent der monatlichen Bezüge (inklusive anteilsmäßig 13. und 14. Gehalt). Minister und Klubobleute, die nach dem Unvereinbarkeitsgesetz neben ihrem Amt keiner beruflichen Tätigkeit nachgehen dürfen, sogar sechs Monate lang.

Bei Rückkehrrecht in alten Job keine Fortzahlung

Öllinger macht jetzt zunächst einmal Urlaub, wie er zur "Wiener Zeitung" sagt. Dann hat er dank Bezugsfortzahlung noch bis Ende Jänner Zeit, sich zu überlegen, wie es weitergeht. Für ihn "geht es darum, weiter politisch tätig zu sein" und seine beiden Projekte stopptdierechten.at und "Öllingers Sozialblog" weiterzuführen. Diesbezüglich ist er mit seiner Partei in Verhandlungen. "Ganz entspannt bin ich zwar nicht", sagt er, aber er sieht "durchaus Möglichkeiten, meine Expertise einzubringen".